Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen 2025

vor mehr als 1 Jahr

Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen 2025
Bildquelle: Tichys Einblick

Ettore Scolas Film „Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen“, im Original „Brutti, sporchi e cattivi“ von 1976 schildert mit den Mitteln des Neorealismus das Leben einer Großfamilie, deren Mitglieder in einer Baracke am Rande Roms hausen, sich durch Kleinkriminalität und Prostitution finanzieren und einander an die Gurgel gehen, dann aber zum Schluss doch wieder zusammenhalten.Die deutsche Veroperung des Stoffs im Jahr 2025 weicht vom Original ein wenig ab. Der Schauplatz liegt gerade nicht an der Peripherie, sondern im Zentrum Berlins, die Figuren und ihre Helfer stammen ausnahmslos aus den zentralen Stadtvierteln, und für ihre Lebenshaltung müssen sie vergleichsweise wenig Mühe aufwenden. Intrigen, Lügen und Rufmord im eigenen Kreis gibt es zwar auch hier, wenn jemand innerhalb des Clans einem Mächtigeren im Weg steht. Aber die drei titelgebenden Elemente strahlen hauptsächlich nach außen ab. Beide Inszenierungen, das Stück Scolas von ’76 und die Berliner Aufführung ähneln einander in erster Linie durch ihren realistischen Stil.

Am 25. Januar 2025 und damit drei Tage nach dem Mord an einem zweijährigen Jungen und einem Helfer durch den illegalen afghanischen Migranten Enamullah O. kamen in Berlin die wohlgesinnten Funktionseliten des Landes zusammen – im Kern grüne Berufspolitiker und ihre Mitarbeiter, Ministeriumsangestellte, NGO- und Kirchenvertreter – um gegen die AfD zu demonstrieren, gegen die CDU und speziell Friedrich Merz, also das, was die Kundgebungsteilnehmer unter dem Sammelbegriff Faschismus zusammenfassten. Nach Taten wie der in Aschaffenburg gibt es in diesem Land mittlerweile traditionell Kundgebungen gegen rechts beziehungsweise diesen Faschismus, wobei die Termini aus Sicht der Teilnehmer synonym gebraucht werden können und sogar sollten. Das verhielt sich schon 2018 in Chemnitz so, als dort ein Iraker und ein Syrer einen Mann erstachen und zwei andere schwer verletzten. Die neue Qualität lag am 25. Januar dieses Jahres in der Weise, wie sich die Gegenrechtsmarschierer der Medienöffentlichkeit zeigten. Sie knüpften eben nicht nur stilistisch, sondern auch inhaltlich an Scola an, als sie sich vor der Handykamera präsentierten, wie gesagt drei Tage nach dem Mord in Bayern und fünf Sekunden vor der 12, die den Einbruch einer neuen faschistischen Nacht über Deutschland markiert.

Auf X gab es mehrere, die in diesem Foto den „Laschet-Moment“ der Grünen erkennen wollten, in Anspielung auf den im Bild festgehaltenen Lachanfall des damaligen CDU-Kanzlerkandidaten mitten in den Ahrtal-Trümmern. Die Assoziation liegt nahe, sie trifft aber den Sachverhalt nicht. Laschet glaubte sich unbeobachtet, weil im Vordergrund gerade der Bundespräsident redete. Er erkannte noch am gleichen Tag die Bedeutung seines Fehlers für seine Wahlkampagne und bat um Entschuldigung.

Die Mitglieder der grünen Führungsriege schossen die Lachbilder nicht nur höchstselbst und verbreiteten sie auf X. Irgendjemand ganz in der Nähe musste sogar von einem erhöhten Standpunkt aus den Vorsitzenden der Grünen in NRW Tim Achtermeyer dabei fotografiert haben, wie er wiederum den Gruppenausflug der Weißen Rose GbR ablichtete. Der Unbekannte schuf damit ein Selfie eines Selfies. So etwas nennt man nicht mehr Neo- sondern Hyperrealismus. Es handelt sich nicht um eine Entgleisung, um einen Fehler im Programm wie seinerzeit bei dem CDU-Politiker im Flutgebiet. Die Selfiebilder zeigen die grüne Führungstruppe genau so, wie sie sich selbst sieht und gesehen werden möchte. Die Faktionsvorsitzende postete noch mehr dieser Lächel- und Partyfotos. Die stellvertretende Parlamentspräsidentin ebenfalls.

Seine Abrundung erfuhr der Auftritt in Berlin durch die dreist von der Grünen-Vorsitzenden Franziska Brantner und vielen anderen Gefolgsleuten zusammengelogenen Zahl der 100 000 Teilnehmer – als die Tageschau mit einem zugeschalteten Reporter berichtete, sprach der von 5000, die Polizei zu einem späteren Zeitpunkt von maximal 35000.

Möglicherweise zählten die Parteifunktionäre ja praktischerweise einfach die Demonstranten dazu, die fast zeitgleich auf dem Potsdamer Platz die Hamas hochleben ließen. Auf der anderen Seite des Brandenburger Tors sangen die Gegenrechtskämpfer an diesem Sonntag zum Abschluss noch das Lied der Bewegung: „Wehrt euch, leistet Widerstand / gegen den Faschismus hier im Land / Haltet fest zusammen“.

Publisher Logo

Dieser Artikel ist von Tichys Einblick

Klicke den folgenden Button, um den Artikel auf der Website von Tichys Einblick zu lesen.

Weitere Artikel