Die Rentenversicherung macht es wie die Bundesregierung, sie lebt auf Kredit. Kredit, das heißt Vertrauen; und das Vertrauen bröckelt. Es hat sich herumgesprochen, dass die Rentenversicherung ihren Namen zu Unrecht führt. Im Unterschied zu einer ordentlichen Versicherung legt sie nichts an und nichts zurück; ihr Vermögen, früher Schwankungsreserve, heute Nachhaltigkeitsfaktor genannt, reicht gerade einmal aus, um ihren Verpflichtungen sechs Wochen lang nachzukommen; danach ist Schluss. Das Deckungskapital für die milliardenschweren Zusagen, mit denen sie Millionen von Rentnern Sicherheit versprochen hat, sind die Beitragszahler von morgen, die Kinder. Wenn die nicht zahlen, ist die Rentenversicherung im Umlageverfahren pleite.
Das Jahr 1990 war das letzte, in dem die Zahl der unter Zwanzigjährigen derjenigen der über Sechzigjährigen ungefähr gleichkam. Seither hat sich das Verhältnis immer weiter zu Lasten der Jungen verschoben, und dieser Prozess wird sich noch beschleunigen, weil immer weniger Kinder immer weniger Nachwuchs hinterlassen. Die Bundesregierung hat versucht, den demographischen Niedergang in eine demographische Chance umzulügen – ein Versuch, der vielleicht geglückt wäre, wenn die Einwanderer nicht gemerkt hätten, dass sie in einem Staat gelandet waren, in dem man auch ohne zu arbeiten gut essen kann. Ihre Chance hieß zunächst Hartz IV, später Bürgergeld; und diese Chance haben sie genutzt. Statt die Wohlfahrtsindustrie zu entlasten, satteln sie drauf – in Deutschland gilt das als sozialer Fortschritt.
Auch der Sozialstaat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Friedrich List, der große Nationalökonom, hatte das gewusst, als er schrieb: Wer Schweine erzieht, sei in wirtschaftlicher Hinsicht ein produktives, wer Kinder erzieht, ein unproduktives Mitglied der Gesellschaft. Seine Nachfolger haben das offenbar wörtlich genommen und aus Deutschland ein Land gemacht, das bei der Schweinezucht weltweit den ersten, bei der Geburtenrate einen der letzten Plätze einnimmt. Dem Kanzler scheint das egal zu sein, sonst hätte er die Frage, ob sie noch ganz bei Trost wären, nicht an die Junge Union gerichtet, sondern an seine Regierungspartner von der SPD. Völlig zu Recht ist Bärbel Bas, die Co-Vorsitzende der Partei, für ihren Versuch, das Rentenpaket zu verteidigen, ausgelacht worden.
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