Nachdem Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche in der FAZ fundiert dargelegt hat, warum die deutsche Energiewende in ihrer aktuellen Form gegen die Wand fährt, ließen die Reaktionen aus dem politischen und medialen Raum nicht lange auf sich warten. Während die SPD-Abgeordnete Nina Scheer in ihrer Replik versuchte, die ministerielle Position zu kontern, schaltete sich kurz darauf auch der Spiegel-Kolumnist Christian Stöcker in den Diskurs ein.
In gewohnter Manier greift Stöcker zur Feder, um uns die Welt zu erklären. Sein Ziel: Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Fachbegriffe, vor denen man laut Stöcker dringend „hellhörig“ werden müsse, da sie angeblich nur der Verzerrung der Debatte dienten. In der rhetorischen Analyse seiner Texte fällt regelmäßig ein ausgeprägtes Abwertungs-Vokabular auf und auch diesmal weicht Stöcker nicht von diesem Muster ab. Mit Formulierungen wie ‚unlautere Motivation‘, der Unterstellung einer ‚den fossilen Brennstoffen sehr zugeneigten Wirtschaftsministerin‘ oder der Umdeutung von Fachbegriffen zu ‚Nebelkerzen‘ nutzt er ein moralisierendes Framing, das den sachlichen Kern der Debatte hinter persönlichen Angriffen verbirgt.
Stöckers Botschaft ist simpel: Wer von „Primärenergie“ oder „Systemkosten“ spricht, wolle nur manipulieren. Doch ob diese Botschaft einer Überprüfung an der industriellen Gesamtrealität standhält, zeigt ein Blick auf die Details hinter seinen Argumenten.
Stöckers zentraler Vorwurf lautet, die Ministerin nutze die Bezugsgröße „Primärenergie“, um den Anteil der Erneuerbaren mit knapp 20 Prozent künstlich kleinzurechnen. Er suggeriert seinen Lesern, dass durch die Elektrifizierung so viele Umwandlungsverluste wegfielen, dass die Lücke wesentlich geringer und leichter zu schließen sei. Doch dieses Argument ist ein gefährliches Hütchenspiel, das an der industriellen Realität scheitert.
Schauen wir auf die nackten Zahlen: Deutschlands Primärenergieverbrauch beträgt ca. 2.900 TWh, der Endenergieverbrauch ca. 2.200 TWh. Die erneuerbare Energieerzeugung liegt bei ca. 600 TWh. In Quoten gerechnet ergibt das einen Anteil von ca. 21 Prozent am Primär- und ca. 27 Prozent am Endenergieverbrauch. Ist das ein Unterschied, der die Lage signifikant verändert? Stöcker vermeidet es, seinen Lesern diese Zahlen gegenüberzustellen.
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