Ich habe die Farblosigkeit satt. Die Farblosigkeit der Wiederholung, der sich endlos drehenden Floskeln, der gepflegten Langeweile einer Gesellschaft, die sich selbst hypnotisiert. Ich habe die Farblosigkeit der Politikerlüge satt, dieses immergleiche Vokabular aus Verantwortung, Haltung und Dialog, hinter dem nichts als das taktische Zittern einer erschöpften Klasse steht. Ich habe die Farblosigkeit der woken Narrative satt, die in schrillen Farben daherkommen und doch nur das Grau ihrer moralischen Selbstgefälligkeit ausstrahlen. Ich habe die Farblosigkeit eurer Demokratie satt, die so korrekt geworden ist, dass sie jeden Funken Leidenschaft misstrauisch beäugt.
Ich bin es müde, in einem Land zu leben, das sich selbst zu Tode moderiert. Wo jeder Gedanke zuerst auf seine Form, nie auf seinen Gehalt geprüft wird. Wo man die Worte so lange spült, bis sie ihren Sinn verloren haben. Und während man von Vielfalt spricht, herrscht eine Gleichförmigkeit des Tons, die an die gleichgeschaltete Sanftheit einer Nachkriegsrepublik erinnert, die nie gelernt hat, zu streiten, ohne sich zu schämen.
Deutschland wirkt heute wie ein Land im Schlummer. Man will keine Extreme, keine Kanten, keine Leidenschaft. Man will Ruhe – und ruft sie zur Tugend aus. Dabei ist sie längst Trägheit geworden, die Unfähigkeit, Schmerz auszuhalten, Widerspruch zu ertragen, Freiheit als Risiko zu denken. Man hat die Demokratie so sehr mit Watte gepolstert, dass sie kaum noch atmet.
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