Der lange Schatten des Konzils

vor 8 Monaten

Der lange Schatten des Konzils
Bildquelle: Tichys Einblick

60 Jahre liegt das Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils zurück. Dass ein solches Jubiläum Aufmerksamkeit erregt, hängt damit zusammen, dass es noch zahlreiche Zeitzeugen gibt – weniger als Teilnehmer, denn als Zuschauer und Leser dieses weltweit verfolgten Medienereignisses. Würde die Presse den Schluss des Ersten Vatikanischen Konzils in derselben Weise aufziehen? Oder gar des Trienter Konzils?

Mit dem Wegsterben der Gestalter und Teilnehmer des 2. Vatikanums liegt die Interpretation der Beschlüsse in der Hand der Nachfolger. Das Ringen um die Deutungshoheit geht dabei schon seit dem Pontifikat von Papst Franziskus in eine neue Runde. Mit Papst Benedikt saß ein Gelehrter auf dem Thron, der das Konzil selbst miterlebt und theologisch begleitet wie geprägt hatte.

Der Versuch, das Konzil als eigentliche Zäsur der katholischen Geschichte einzuordnen – das Ende des „mittelalterlichen“ Papsttums datiert demnach auf das Jahr 1965 – war zwar allzeit virulent. Eine ganze Reihe von Theologen und Intellektuellen, die einen „zeitgemäßen“ Katholizismus wünschten, sahen sich bereits als Zeitzeugen von Demokratisierung, von Partizipation und progressiven Reformen im Sinne einer materialistischen Weltanschauung, wie sie die Aufklärung eingeführt hatte. Sie interpretierten die Texte jeweils in ihrem Sinne.

Diese „Hermeneutik des Bruchs“ will die 1900 Jahre Kirchengeschichte zuvor als „überwunden“ ansehen. Für sie ist die Kirche nach 1965 etwas Neues, das sich aus der Vergangenheit gelöst hat. Alles kann zur Debatte stehen: selbst die Auferstehung oder die Jungfrauengeburt. Ähnlich wie die frühen Protestanten postulieren sie eine Rückkehr zur wahren, reinen Urkirche. Paradoxerweise verwirft sie religiösen „Fundamentalismus“, obwohl diese Anschauung deutlich fundamentalistischer ist als der Verweis auf die Geschichte, Tradition und Entwicklung der Una Sancta.

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