Als Ludwig Erhard vor gut 75 Jahren von Konrad Adenauer zum Bundeswirtschaftsminister berufen wurde, war er von Anfang an eine Art Antipode zum Kanzler – sein Credo war Freiheit und Eigenverantwortung. Auch Angela Merkel hätte einen freiheitlich gesinnten Gegenspieler gebraucht: Ihre Politik formulierte sich praktisch als Gegenentwurf zu Erhards Sozialer Marktwirtschaft. Sie stellte dem Wirtschaftswunder das Wirtschaftsdesaster entgegen, indem sie einer Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik Vorschub leistete, die allen voran von den Grünen verwirklicht wird. Ludwig Erhard war wahrscheinlich der größte Liberale unter den Politikern der Bundesrepublik, obwohl er der CDU angehörte.
Im Jahr 1957 erschien Erhards „Wohlstand für alle“. In 16 Kapiteln stellt der Autor die Verwirklichung der Idee der Sozialen Marktwirtschaft mit all ihren harten Kämpfen ausgesprochen anschaulich dar. Deshalb glückte ihm in all seiner Schnörkellosigkeit ein präzises Geschichtsbuch über die Anfänge der Bundesrepublik, aber vor allem ein hochspannendes Lehrbuch über die Grundlagen einer freiheitlichen und erfolgreichen Gesellschaft.
Jeder, der in Deutschland derzeit politische Verantwortung übernimmt, ganz gleich in welchem Bereich, sollte dieses Buch nicht nur lesen, sondern wieder und immer wieder lesen. In einer geradezu erschütternden Deutlichkeit führt uns Erhards Text vor Augen, wie wenig an Sozialer Marktwirtschaft, wie wenig an staatsbürgerlicher Freiheit den Bundesbürgern nach 16 Jahren Merkel und drei Jahren Ampel geblieben ist.
Wovor Ludwig Erhard bis zur Redundanz nicht müde wurde zu warnen, war die Tatsache, dass mit der wirtschaftlichen Freiheit die politische und bürgerliche Freiheit endet und umgekehrt: Nur ein wirtschaftlich freier Bürger wird auch ein politisch freier Bürger sein und vice versa. Es existiert keine freie Marktwirtschaft ohne Demokratie und keine Demokratie ohne eine freie Marktwirtschaft. „Die Freiheit – ich wiederhole es – ist und bleibt ein Ganzes und Unteilbares. Sie darf nicht nach Zweckmäßigkeitsgründen verteidigt oder verworfen werden“, warnte Erhard.
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