Sie haben genug von vermeintlich toxisch-männlichen Verhaltensweisen, von Dickpics, Stalking, Ghosting. Glaubt man der aufgeregten Internetblase, haben immer mehr Frauen die Nase voll von Dates. Und sie haben die Schuldigen für dieses Dating-Detox schon ausgemacht: Männer. Bei diesem Entzug geht es aber nicht um Alkohol oder Zucker, sondern um Liebe: Frauen gehen aus Angst vor Enttäuschungen auf Abstand zu Männern.
Im Netz kursieren alle paar Monate neue Trends, die Beziehungen zwischen den Geschlechtern schlechtmachen. Die aktuelle Variante heißt „Boysober“ und bezeichnet den bewussten Verzicht auf romantische Verabredungen. Sober bedeutet „nüchtern“. Der Anti-Dating-Trend bezeichnet also die Ernüchterung nach den Schmetterlingen im Bauch. Erfunden hat ihn schon 2022 die US-Komikerin Hope Woodard, als ihr Frust nach mehreren missglückten Dates viral ging.
Frauen gönnen sich demnach eine Orientierungsphase, die eine anschließende Beziehung nicht ausschließt. Einmal Single, immer Single? Nicht unbedingt. Der Anti-Dating-Trend dient offenbar eher der emotionalen Erholung nach Techtelmechtel, die von mangelndem Engagement und Interesse geprägt waren. Manche Frauen nutzen dieses selbstauferlegte Zölibat auch, um sich „von ungesunden Verhaltensweisen zu lösen, die von früheren Generationen übernommen wurden“, so schreibt das Magazin Esquire. Betrachtet man die 30-, 40- oder 50-jährigen Ehen unserer Eltern und Großeltern, ist zumindest fraglich, ob diese Beziehungen alle toxisch waren. Oder ist es die Anspruchshaltung der Gen Z, die nicht wahrhaben will, dass nur Kompromisse Beziehungen über die Langstrecke retten?
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