Der Migrationsforscher Daniel Thym fordert eine 180-Grad-Wende in der Asylpolitik. Dem Spiegel sagte Thym: „Für einen Systemwechsel wird uns nur eins übrig bleiben: Wir müssten die Menschenrechte weniger streng handhaben.“ Notfalls, so der Wissenschaftler, „indem die EU-Verträge und die Europäische Menschenrechtskonvention verändert werden.“ Damit wirft Thym, der jüngst das Buch „Migration steuern“ veröffentlicht hat, erstmals die grundlegende Frage auf, ob und inwiefern das Asylsystem in der jetzigen Form noch zeitgemäß ist.
Die jüngsten Maßnahmen wie Grenzkontrollen und Einschränkungen beim Familiennachzug seien zwar ein Schritt in die richtige Richtung, so Thym, aber längst nicht weitreichend genug. „Die Gespräche haben sich auf kurzfristige Maßnahmen konzentriert. Nach den fürchterlichen Anschlägen und Messerattacken wollen Union und SPD damit Ruhe und Handlungsfähigkeit vermitteln. Das ist jetzt gut und richtig. Nachhaltig ist es aber nicht“, betont er. Seiner Ansicht nach droht bei der nächsten Krise ein endgültiger „Vertrauensverlust“ in das Asylrecht, was radikalen Kräften Auftrieb verschaffen könnte.
Asylbewerber auf einem Schlauchboot vor der Ankunft auf der italienischen Insel Lampedusa.
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