Si antiquarius mansissem, dives fuissem. Wäre ich Antiquar geblieben, wäre ich reich geworden. Stammleser von Tichys Einblick – und vor allem Zuseher des Redaktionsschluss – werden sich erinnern, dass der Autor dieser Zeilen einst ein Antiquariat führte. Einst, wohlgemerkt, denn trotz aller Durchhalteparolen, dass das Interesse am echten, unzensierten Wort wieder zunehmen würde, hat sich diese Realität bislang nicht eingestellt. Das Führen eines Antiquariats konnte man getrost als brotloses Hobby bezeichnen.
Bis jetzt. Denn dank des KI-Booms wittern Antiquare nun die Chance ihres Lebens, ihre Bestände statt zur Mülldeponie doch noch an den Mann zu bringen. Wobei – nicht an den „Mann“, vielmehr an die Maschine.
Denn der Trend, dass KI-Unternehmen massiv Bestände von Antiquariaten aufkaufen, um damit ihre Modelle zu trainieren, erreicht nun auch Deutschland. Neu ist das Phänomen nicht. Dass Anthropic – jene Firma, die mit ihrer KI Claude derzeit als Maß aller KI-Dinge gilt – Millionen gedruckte Bücher zerschneiden und einscannen ließ, wurde bereits 2025 durch das US-Gerichtsverfahren gegen das Unternehmen publik. Das interne Vorhaben trug Berichten zufolge den Namen „Projekt Panama“. Die Washington Post wiederum berichtete zuletzt ausführlich über den Vorstoß dieser Praxis nach Europa.
Teil des Vorgehens war es, die Buchbestände der Welt „destruktiv“ zu scannen. Bei diesem vereinfachten Scan-Prozess werden Buchrücken abgetrennt, um die Einzelblätter schneller und unkomplizierter zu digitalisieren. Nach dem Scan wartet die blaue Tonne auf die Bücher.
Was bei manchen Autobiografien von Politikern noch wie ein verkraftbarer Verlust erscheint, wird zum Skandal, wenn man sich die volle Tragweite dieses Prozesses vor Augen führt.
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