Was macht man am 1. Mai in einer Stadt wie Berlin? Wenn Sie jetzt an Raves für die Befreiung des Görlitzer Parks, Antifa-Aufstände, angezündete Autos und Randale denken, wissen Sie wahrscheinlich auch nicht, wer seit letztem Jahr der neue Creative Director von Dior ist. Oder, dass „Kate“ und „So Kate“ Schuhmodelle von Louboutin sind, geschweige denn, wie man sie unterscheidet. Dementsprechend haben Sie Anfang der 00er Jahre wohl auch keine Wattebäuschchen, getränkt in Zitronensaft, gegessen, um auf Size 0 zu kommen. Womöglich haben Sie noch nicht mal etwas von Anna Wintour gehört.
Das ist nicht schlimm, Sie haben immerhin trotzdem auf diesen Artikel geklickt. Also kein hoffnungsloser Fall. Nicht alle Großstädter saufen sich an diesem Tag bis in die Bewusstlosigkeit, experimentieren mit neuen Drogen und zünden ein paar Autos an. Manche schnappen sich ihre Plateau-High-Heels mit 12 cm Absatz, ihren Dior Addict Lip Maximizer in der Farbe 006 Berry und ihre beste Freundin, um dann in totaler Dunkelheit im Kino zu den Ersten zu gehören, die „Der Teufel trägt Prada 2“ geschaut haben. Es ist wahrscheinlich die einzige Vorstellung, in der die hinterste Reihe nicht von knutschenden Teenagern besetzt ist.
Sie können sich denken, zu welcher Fraktion ich gehöre. Wenn ich als Kind unartig war, hat meine Mutter ein Rock-und-Tütü-Verbot verhängt, weil Hosen tragen zu müssen für mich viel schlimmer war als Hausarrest oder Fernsehverbot. Ich habe ausgesucht, was ich anziehen will, seit ich Drei-Wort-Sätze sprechen kann. Kleidung als Mittel zum Ausdruck und zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit wird immer meine erste Liebe vor Jura, Journalismus und Cappuccino sein. Obendrauf steht auch noch die Met Gala unmittelbar bevor – stellen Sie sich einfach vor, dass das so etwas wie mein Superwahljahr ist. Und man muss seine Kolumnistinnen doch immer auch artgerecht halten.
Von „Der Teufel trägt Prada“ (2006) haben Sie sicher schon mal gehört. Wenn Sie keine Töchter, Freundin oder Ehefrau mit Herrschaft über die Fernbedienung in Ihrem Leben haben oder eine Frau mit anderen Interessen sind und Ihre Kenntnis hier endet, erlauben Sie mir eine kurze Einführung. Andy Sachs (gespielt von Anne Hathaway) will Journalistin werden und bedeutungsschwere Artikel schreiben. Doch sie landet in der fiktionalen Modezeitschrift „Runway“ als zweite Assistentin der Chefredakteurin Miranda Priestley (gespielt von Meryl Streep). Sie sieht es als Chance, aufzusteigen und Kontakte zu knüpfen, Mode hält sie für unter ihrer Würde.
Die Verachtung beruht auf Gegenseitigkeit. Mit einer Kleidergröße 36 hat sie in der Redaktion Übergröße und wird als „das fette, schlaue Mädchen“ bezeichnet. Dass sie offensichtlich nichts auf ihr Aussehen gibt, wird ihr von den anderen gerne unter die Nase gerieben. Die anderen Redakteurinnen und Assistentinnen sehen aus wie Topmodels, von Kopf bis Fuß in den neuesten Kollektionen gekleidet. Zum Teil werden sie auch von Topmodels gespielt, Gisele Bündchen hat in dem Film eine kleine Nebenrolle.
DRAMA IN REGENSBURG: Geiseldrama beendet! SEK nimmt Verdächtigen fest - Ein Toter | STREAM










