Eine lange verachtete Anlagekategorie stützt die neue Stärke der europäischen Märkte: Aktien von Rüstungsunternehmen. Vor dem Ukraine-Krieg fassten Investoren diese Papiere noch nicht einmal mit der Kneifzange an, jetzt sind sie die neuen Stars am Anlagehimmel. Was für Amerika Apple, Meta, Microsoft und Nvidia sind für Europa Rheinmetall, Leonardo oder BAE Systems. Von den zwanzig besten Aktien seit Jahresbeginn im Stoxx-Europe-600-Index sind zehn Konzerne, die Rüstung als Kerngeschäft haben, zudem Zulieferer wie die französische Thales (IT) oder die schwedische SSAB (Spezialstahl).
Ein besonderer Profiteur ist Rheinmetall:. In den Vorjahren hat die deutsche Industriegruppe zahlreiche kleinere Wettbewerber gekauft, etwa den Schweizer Flugabwehr-Spezialisten Oerlikon Air Defence 2009. So weitete Rheinmetall das Angebot an Panzern, Fahrzeugen, Artillerie, Lenkwaffen und elektronischen Komponenten immer mehr aus. Kein anderes Rüstungsunternehmen ist zudem so eng mit dem Ukraine-Krieg verbunden. Herkömmliche Waffen machen rund 30 Prozent des Geschäfts aus. Dabei profitiert Rheinmetall vor allem vom Verkauf von Kanonen und Artilleriemunition, dem profitabelsten Geschäftsbereich. Gegenwärtig kann Rheinmetall jährlich 750 000 grosskalibrige 155-Millimeter-Granaten herstellen; das sei mehr, als die USA produzieren könnten, analysiert die „Neue Zürcher Zeitung“ anerkennend. Seit Jahresanfang hat der Aktienkurs 114 Prozent zugelegt, während der Stoxx-Europe-600-Index rund 8 Prozent stieg.
Rheinmetall, das italienische Konglomerat Leonardo oder die französischen Thales oder Dassault Aviation sind nicht die Einzigen, die von der Aufrüstung profitieren. Auch Aktien spezialisierter Anbieter wie Hensoldt (Sensorik) und Renk (Panzergetriebe) oder Konzerne wie Airbus, Rolls-Royce oder MTU Aero Engines (Flugzeugtriebwerke), für die Rüstung ein Nebengeschäft ist, gewinnen ebenfalls. Die Ankündigungen aus der Politik machen Investoren weiteren Mut: Gemäss dem Positionspapier „ReArm Europe“, das Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen unlängst vorstellte, sollen 800 Milliarden Euro bis 2030 bei den Mitgliedstaaten mobilisiert werden. Allein Deutschland will aus Sondervermögen 200 Milliarden ins Militär stecken, 30 Nato-Länder wollen ihre Verteidigungsausgaben erhöhen.
UKRAINE-KRIEG: Putin äußert sich zur AFD und reagiert auf Truppen-Plan nach Frieden | WELT LIVE









