Ein neuer Terminus macht in den USA die Runde: „Affordability crisis“ – die „Erschwinglichkeitskrise“. Laut einer Umfrage des TV-Senders CBS zählen die Amerikaner die Inflation sowie den Zustand der Wirtschaft derzeit zu ihren größten Sorgen. Während Präsident Donald Trump sich selbst auf die Schultern klopft, weil er bei den Pharmakonzernen günstigere Medikamentenpreise durchgesetzt hat, klettern die täglichen Ausgaben der Bevölkerung immer weiter, und drei von vier Befragten waren in der CBS-Umfrage der Meinung, dass sich die Regierung zu wenig um die steigenden Preise kümmere.
Trump hält dagegen: „Ich halte solche Umfragen für gefälscht. Wir haben die beste Wirtschaft, die wir je hatten“, sagte er Fox News. Trumps Haltung gegenüber der Inflation erstaunt. Denn die hohe Teuerung in der Amtszeit seines Vorgängers Joe Biden hat entscheidend zu seinem Wahlsieg beigetragen. Corona-Hilfen und Konjunkturprogramme hatten die Inflationsrate im Sommer 2022 auf über neun Prozent steigen lassen, was die Notenbank schließlich zu einem scharfen Bremsmanöver zwang. Der Beginn seiner Amtszeit stand noch unter einem guten Stern: Im April war die Jahresteuerung auf 2,3 Prozent gesunken. Doch seit der Einführung der Zölle hat sich der Trend gedreht – auf zuletzt drei Prozent. Gleichwohl drängt Trump die Notenbank, die Zinsen zu senken.
Schon jetzt zahlen Familien 30 Prozent mehr für lebenswichtige Güter als noch vor vier Jahren. Die Zeitung „USA Today“ titelte kürzlich: „Wo bleibt der Wohlstand?“ In der Tat könnte es für Trump bei den im kommenden Jahr anstehenden Midterm-Wahlen eng werden; denn am meisten leiden unter den Preissteigerungen jene, denen Trump seine Wahl vor gut einem Jahr verdankt: die ärmeren Leute und die Mittelschicht. Diese geben den Hauptteil ihres Budgets für den Konsum aus. Vom früheren deutschen Arbeitsminister Norbert Blüm stammt das Bonmot, die Inflation sei der Taschendieb der kleinen Leute. Damit hatte er Recht.
Würde Trump die Inflation als Problem ernst nehmen, so müsste er beim Haushalt radikale Einsparungen vornehmen. Die USA leisten sich derzeit ein gigantisches Defizit von sechs Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Schulden in dieser Höhe türmt ein Land sonst nur auf, wenn es sich im Krieg oder in einer schweren Krise befindet. Trumps neues Steuer- und Ausgabengesetz, dem er den Namen «Big Beautiful Bill» gegeben hat, beschleunigt das Schuldenwachstum sogar noch.
Es sind aber nicht nur die Konsumgüter, die sich ständig verteuern. Auch die Vermögenspreise unterliegen einer starken Inflation. Allein in den vergangenen fünf Jahren summierten sich die Kursgewinne beim S&P 500 auf 80 Prozent. Die offenen Geldschleusen der Zentralbank haben wesentlich dazu beigetragen. Das erfreut zwar die Aktienanleger. Doch wenn zu viel billiges Geld eine Spekulationsblase auslöst, kommt es irgendwann zum Crash.
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