Sprengstoff ist wieder einmal zur entscheidenden Substanz geworden, wenn es um Energieflüsse geht. Im Krieg werden Kraftwerke, Pipelines und Ölanlagen gezielt zerstört und damit nicht nur Infrastruktur, sondern ganze Volkswirtschaften getroffen. Sprengstoff ist immer dabei. Energie war noch nie nur eine Frage von Angebot und Nachfrage, sondern von Macht, Kontrolle und Verwundbarkeit. Genau das zeigt sich derzeit wieder mit voller Wucht. Auslöser diesmal: die Straße von Hormuz.
Die Meerenge ist einer der wichtigsten Engpässe der Weltwirtschaft. Normalerweise passieren hier rund 20 Prozent des globalen Ölhandels und große Teile des LNG-Verkehrs. Doch diese Lebensader ist derzeit weitgehend blockiert. Die Folgen sind dramatisch: Die Ölexporte aus der Golfregion sind um mehr als 60 Prozent eingebrochen – von rund 25 Millionen Barrel pro Tag auf etwa 10 Millionen. Über 1.000 Tanker stecken fest oder meiden die Route.
Die physische Lieferkette ist damit praktisch zerrissen. Tanker liegen auf Reede, werden umgeleitet oder fahren gar nicht erst los. Gleichzeitig drosseln die Förderländer ihre Produktion, weil die Lager voll sind. Allein im Irak ist die Förderung der südlichen Felder um rund 70 Prozent eingebrochen – von 4,3 auf etwa 1,3 Millionen Barrel pro Tag.
Auch Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait haben ihre Produktion deutlich reduziert. Insgesamt fehlen dem Weltmarkt damit viele Millionen Barrel Öl täglich. Der Versuch, die Mengen über alternative Pipelines umzuleiten, wie dies Saudi-Arabien mit der Pipeline quer über die arabische Halbinsel versucht, stößt an physikalischen Grenzen: Selbst optimistisch gerechnet können nur rund drei bis fünf Millionen Barrel pro Tag durch diese Leitung ans Rote Meer gepumpt werden. Zudem ist auch diese Pipeline anfällig gegen Sprengstoff.
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