„Studien“ über Benachteiligungen im Bildungswesen sind stets mit äußerster Vorsicht zu genießen. Erstens, weil hier für unterschiedliche Bildungserfolge durchweg Gesellschaft und Staat verantwortlich gemacht werden, nie aber das Individuum, das eigenverantwortlich handelt. Zweitens, weil als ausschlaggebendes Kriterium für den Bildungserfolg immer noch das Abitur gilt, das mittlerweile bei stetig sinkenden Anforderungen derart inflationär vergeben wird, dass es schlicht kaum noch aussagekräftig ist.
Nun legt einmal mehr das „ifo“-Institut (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V.) einen neuen „Chancenmonitor – Ein Herz für Kinder“ vor. Kernaussagen dieses „Monitors“: Kinder reicher Eltern mit Abitur hätten eine deutlich bessere Ausgangsposition. Und: Jungen seien benachteiligt; sie würden in der Schule deutlich schlechter abschneiden als Mädchen. So würden im Durchschnitt 36,9 Prozent der Jungen ein Gymnasium besuchen, aber 43,5 Prozent der Mädchen. „Gender Gap“ heißt das heute.
Wir fragen mal nicht genau nach, was „Kinder reicher Eltern“ sind. Die Presse, die über diese „Studie“ berichtet, versteht als solche Kinder, deren Eltern Abitur haben und über ein monatliches Nettoeinkommen von 6.000 Euro verfügen.
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