Am Dienstagabend ging der Link zur Facebook-Seite des CDU-Stadtverbands Ostseebad Kühlungsborn in den WhatsApp-Gruppen der Union geradezu durch die Decke. Kurz nach 22 Uhr hatte er sich von Mecklenburg-Vorpommern über Nordrhein-Westfalen bis zur CSU nach Bayern verbreitet.
Die Chat-Gruppen der Union gleichen in diesen Tagen ohnehin einem überreizten Nervennetz, in dem Verzweiflung, Fatalismus und vereinzelte Versuche der Beruhigung die Runde machen. Doch dass ein ganzer Stadtverband hinschmeißt, formvollendet auf dem eigenen Briefpapier, das ist trotzdem etwas anderes. Eine Art Paukenschlag im Trommelwirbel der Erregung.
In diesem Brief erklären die CDU Mitglieder ihre Beweggründe für den Austritt.
„Jeder von uns ist aus bestimmten Überzeugungen und Grundwerten in die CDU eingetreten“, schreiben die Ex-Parteifreunde. „Wenn jedoch grundlegende Punkte und rote Linien überschritten werden, die diese Werte zerstören, muss man zwangsläufig Konsequenzen ziehen. Dies tun wir hiermit und treten aus der Christlich-Demokratischen Union mit sofortiger Wirkung aus.“ Worte, die genau den Nerv vieler an der Unionsbasis treffen. In der Migrationskrise 2015/2016 war die Stimmung ähnlich geladen, in diesen Tagen kommt Resignation hinzu.
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