Deutsche Eliten zeichnet ein starker moralischer Impetus aus. Allerdings ist dieser gewöhnlich seichter als die Nordsee bei Ebbe: Gut ist, was sich gut anfühlt, was die größte emotionale Befriedigung verschafft.
Es ist weniger absurd als es auf den ersten Blick scheint, dass man nun meint, die historische Verantwortung, die sich aus dem Holocaust ergibt, ausgerechnet durch Solidarität mit Judenhassern einlösen zu können: Ein überdehnter Schuldbegriff, gern verbunden mit dem irrigen Konzept einer Kollektivschuld, scheint derart überfordernd zu sein, dass sich Feindseligkeit nun gegenüber denjenigen entlädt, die doch „eigentlich“ schuld sind an der Misere: Die Juden eben, deren Vorfahren die unsägliche Chuzpe besaßen, sich von Deutschen ermorden zu lassen.
Die Sucht nach Moralin und der Versuch, sich der lästigen Verantwortung zu entledigen, bieten eine schlüssige Erklärung, warum man sich an der Täter-Opfer-Umkehr und der Instrumentalisierung von Kindern, Alten und Kranken durch die Hamas beteiligt.
Nun wäre es eine Sache, sich für die Kinder in Gaza einzusetzen – unschuldige Opfer einer militärischen Auseinandersetzung. Verwerflich ist jedoch, dieses Engagement lediglich als Deckmantel für Agitation gegen Israel zu nutzen. Denn zur Wahrheit, dass Palästinenser leiden, gehört untrennbar das Leid der Israelis – und nicht nur der: Zahlreiche ausländische Staatsbürger wurden 2023 von der Hamas ermordet. Die Terroristen töteten, wen sie vorfanden, und man hätte meinen sollen, dass die Mordaktion, der Philippinos wie US-Amerikaner zum Opfer fielen, ein internationales Band der gemeinsamen Trauer und der gegenseitigen Solidarität geschaffen hätte. Das war nicht der Fall.
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