Ausverkauf einer Stadt: Duisburgs Abstieg

vor etwa 1 Jahr

Ausverkauf einer Stadt: Duisburgs Abstieg
Bildquelle: Tichys Einblick

Alle Jubeljahre fährt ein Fernsehteam nach Duisburg-Marxloh oder Hochheide, um sich die verbliebenen Weißen Riesen und das restliche Elend einmal aus der Nähe anzugucken. Als „Weiße Riesen“ wurde jene Gruppe aus ursprünglich sechs Hochhäusern benannt, in die sich zeitweise nicht einmal der Paketzustelldienst traute. Inzwischen scheint die Belieferung dank Sicherheitsdienst wieder an zwei Tagen in der Woche möglich zu sein. Zwei der Riesen mussten schon weichen, und viele sind für den Abriss auch der anderen. Es ist der Hochhauskomplex, in dem unvermittelt Lebensmittel und andere Gegenstände aus dem Fenster oder von Balkonen fliegen, vor allem auf solche Mitbewohner, die sich kritisch zu den Zuständen geäußert haben. Die reagieren auf die Bedrohung, indem sie sich neben ihren Hunden einen Kleinen Waffenschein zulegen.

Schon 2003 stieß der damalige Bauminister Manfred Stolpe (auch schon SPD) einen Wettbewerb mit dem seltsamen Titel „Tatort Stadt“ an, der angeblich die „ethnische Vielfalt“ des Wohnparks Hochheide einbeziehen sollte. Aber das ist bis heute nicht gelungen, vor allem auch, weil immer neue Zuwanderer hinzukommen. In Duisburg-Hochheide wie in anderen Orten im Ruhrgebiet lebt man heute nebeneinander her, wie die Alteingesessenen beklagen. Das alte Miteinander ist fort. Sogar die unterschiedlichen Zuwanderergruppen – Türken, Araber, Südosteuropäer – scheinen untereinander zerstritten und weisen sich gegenseitig die Schuld für Missstände zu.

Bärbel Bas, Ko-Vorsitzende ihrer Partei, Arbeits- und Sozialministerin, kommt aus Duisburg. Die neue SPD-Ikone soll noch einmal den Sozialglitter von wegen „Kümmern um die Kumpels“ auf der greisen Großtante der früheren Arbeiterbewegung verteilen. Das heißt, sie soll es versuchen. Bas kann wohl ein bisschen Ruhrpöttisch, und so wirkt es fast so, als spräche sie für die einstige „Herzkammer der Sozialdemokratie“. Probleme wird sie so aber gewiss nicht lösen, und das liegt zuallererst daran, dass sie vor deren Beschreibung zurückschreckt.

Die Chance zur Aufklärung ging vorüber, und natürlich sollte das so sein. Denn das heutige Staatsgebilde und die regierenden Parteien sind auf Vertuschen und Zukleistern der Wirklichkeit angewiesen. Denn sonst könnte man nicht wie Friedrich Merz im Bundestag stehen und sich aufrecht zur Grenzöffnungspolitik der Vorgängerin zu bekennen, die man „heute nicht mehr so machen würde“. Aber was 2015 und danach geschah, verdient offenbar keine Kritik. Und im Mai und Juni sind wiederum zwischen 9.000 und 10.000 Asylanträge in Deutschland gestellt worden. Das macht aufs Jahr hochgerechnet erneut eine weitere Großstadt aus, die ins Land einwandert – ohne Papiere, ohne Sprachkenntnisse, ohne Job. Der Familiennachzug von über 100.000 Personen jährlich kommt hinzu.

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