Am Vorabend der nächsten Schuldenkrise

vor 11 Monaten

Am Vorabend der nächsten Schuldenkrise
Bildquelle: Tichys Einblick

Vor dreizehn Jahren öffnete Mario Draghi als damaliger EZB-Präsident die Liquiditätsschleusen, um die Eurozone vor dem Auseinanderbrechen zu bewahren. An den strukturellen Problemen hat sich seither nichts geändert. Wir stehen vor dem nächsten Kapitel der nur grob überpflasterten Schuldenkrise. Zeit für die EZB, den Notfallkoffer bereitzuhalten.

Seit einiger Zeit zeigt sich an den globalen Finanzmärkten ein beunruhigendes Muster: Langlaufende Staatsanleihen geraten unter Abgabedruck – selbst jene der Leitökonomien wie der USA, Japans, Großbritanniens sowie, in besonderem Maße, Frankreichs. In der Folge klettern die Renditen, und mit ihnen steigen die Refinanzierungskosten der ohnehin hoch verschuldeten Nationalstaaten.

Es ist das sogenannte lange Ende der Zinskurve, das Haushaltspolitiker wie Zentralbanken gleichermaßen in Sorge versetzt. Auf den langlaufenden Staatsanleihen der USA, Japans und der Eurozone ruht die Statik der globalen Finanzarchitektur. Banken, staatliche Pensionsfonds und Versicherungssysteme haben unter dem Abverkauf dieses Marktsegments bereits einen immensen Blutzoll entrichtet. Das Gebäude ist sturmreif geschossen – und in Europa kündigt sich die nächste Schuldenkrise an.

Es ist nicht länger zu ignorieren: Die langlaufenden Staatsanleihen, die einst sichere Renditen und – inflationsbereinigt – positive Erträge versprachen, haben erheblich an Vertrauen eingebüßt. Ein Blick auf die politische Krise Frankreichs und den Niedergang Großbritanniens macht zudem deutlich, dass ein Ausweg aus der Schuldenspirale mit stetig wachsenden jährlichen Defiziten und kollabierenden Sozialsystemen in einer alternden, von Migration überforderten europäischen Gesellschaft kaum realistisch erscheint.

Wer nicht per Gesetz zum Erwerb dieser Papiere gezwungen ist, stößt sie ab und flüchtet in vermeintlich sichere Häfen wie Edelmetalle oder Cash, hier bevorzugt in den US-Dollar oder den Schweizer Franken – ein bewährtes Muster, wenn es hart auf hart kommt.

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