Historischer Treppenwitz: Was uns alte Windmühlen über die Energiewende verraten

vor etwa 2 Monaten

Historischer Treppenwitz: Was uns alte Windmühlen über die Energiewende verraten
Bildquelle: Tichys Einblick

Am Pfingstmontag öffnen in Deutschland wieder die Mühlen. Es ist Deutscher Mühlentag, und für einen Tag werden an vielen Orten im gesamten Bundesgebiet jene Maschinen sichtbar, die einmal das Rückgrat der vorindustriellen Energiewelt waren.

Deutschlandweit beteiligen sich rund 650 historische Mühlen, öffnen Türen, zeigen Mahlgänge, Wasserräder, Flügel, Getriebe, Steine, alte Holz- und Eisenkonstruktionen und die Kunst der Müllerei. Die bundesweite Zentralveranstaltung findet in diesem Jahr in Bad Nauheim statt, am Windmühlenturm an der „Langen Wand“. Der ist selbst ein Stück Technikgeschichte: Er gehörte zur früheren Soleförderung, wurde im 18. Jahrhundert gebaut, verlor im 19. Jahrhundert seine Flügel und wird nun wieder als Windmühle erlebbar gemacht.

Veranstaltet wird der Deutsche Mühlentag bundesweit von der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung e. V., kurz DGM, gemeinsam mit ihren Landes- und Regionalverbänden.

Die Mühle war eine Revolution. Vor dem Zeitalter der Mühle stand der Mensch allein mit einem Stein da. Korn wurde von Hand zerrieben, geschrotet, gestoßen, gemahlen. Wer Brot wollte, musste arbeiten. Dann kam die Mühle: erst einfach, dann immer kunstvoller, immer größer, immer leistungsfähiger. Sie nahm dem Menschen einen Teil der schwersten Arbeit ab. Eine Mühle ist deshalb mehr als ein Gebäude am Bach oder auf einer Anhöhe. Sie ist eine Maschine zur Befreiung von Muskelkraft.

Die DGM nennt Mühlen die ältesten Maschinen der Menschheit. Ihre Geschichte reicht über 2000 Jahre zurück; rund 160 Anwendungsbereiche sind nachgewiesen. Mühlen mahlten nicht nur Getreide. Sie sägten Holz und Steine, schöpften und pumpten Wasser, trieben Aufzüge an sowie Schrotmühlen, Schmiedehämmer, Schleifwerke, Papiermühlen, Ölmühlen und Stampfwerke. Fast jede frühe Maschine zur Bearbeitung von Rohstoffen nutzte Naturkräfte: Wasser oder Wind.

Die Römer brachten die Technik der Wassermühlen nach Deutschland. Mit Wasserkraft wurden unter- und oberschlächtige Wasserräder angetrieben; das Wasser fließt entweder unten am Mühlrad vorbei oder schießt von oben auf ein Schaufelrad.

Später ersetzten Turbinen die hölzernen oder eisernen Räder. Das Prinzip blieb gleich: Wasser fällt oder fließt, trifft auf Schaufeln, bringt ein Rad in Bewegung, und diese Drehung wird über eine kunstvolle Konstruktion aus Wellen und Zahnrädern weitergegeben. In alten Mühlen sieht man diese Räderwerke aus stabilem Holz. Am Ende bewegt sich ein Mahlstein, eine Säge, ein Hammer oder eine Pumpe.

Hier wird die Wirkung von Energie noch sichtbar. Heute kommt Strom aus der Steckdose. Man sieht nicht, wie weit entfernt Kohle verbrannt, Gas verstromt, Uran gespalten, Wasser durch eine Turbine gejagt oder Wind durch Rotoren eingefangen wird. An einer historischen Mühle kann man die einzelnen Schritte noch beobachten: Der Bach kommt von oben, das Wehr staut Wasser, der Mühlgraben führt es zum Rad, die Schütze regelt die Menge, das Rad dreht sich, die Welle knarrt, das Kammrad greift in das Getriebe, und der Stein beginnt, sich zu drehen.

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