Airbus und Air France: schuldig! Die beiden Unternehmen sind jetzt doch für den Absturz verantwortlich. Das sagt zumindest jetzt das Pariser Berufungsgericht, das in dieser Woche Air France und Airbus wegen fahrlässiger Tötung im Zusammenhang mit dem Absturz von Air-France-Flug AF 447 verurteilt hat. Damit wurde der Freispruch aus erster Instanz von 2023 aufgehoben. Beide Unternehmen müssen jeweils die für juristische Personen mögliche Höchststrafe von 225.000 Euro zahlen; beide haben angekündigt, in Berufung zu gehen. Das Verfahren ist damit juristisch noch nicht beendet.
Die Strategie der angeklagten Konzerne Airbus und Air France, den Piloten allein für den Absturz verantwortlich zu machen, ist somit nicht aufgegangen. Doch die Bedeutung liegt weniger in der Geldstrafe, die für Konzerne dieser Größe symbolisch ist, sondern in der Anerkennung einer strafrechtlichen Unternehmensverantwortung.
Das Gericht folgt damit nicht der einfachen Lesart „Pilotenfehler allein“, sondern sieht eine Kette aus bekannten Sensorproblemen, unzureichender Vorbereitung, Training und Risikobewertung. Reuters beschreibt den Kern des Konflikts so: Die technische Unfalluntersuchung hatte stark die Handlungen der Cockpitbesatzung analysiert; das Gericht betrachtete darüber hinaus die „wider chain of cause and effect“, also die institutionellen Vorbedingungen.
Von einer „Katastrophe mit Ansage“ sprach die Vorsitzende Richterin und betonte in ihrer zweistündigen Urteilsbegründung: Beide Konzerne hätten das Risiko gekannt und den Absturz verhindern können, wenn sie die Risikoantizipation zur Priorität gemacht hätten.
Das ist ein weiterer Meilenstein in einem der aufsehenerregendsten Flugzeugunglücke der Geschichte. Das ist deswegen so lehrreich, weil es Grenzen sowohl der Piloten und Technik zeigt.
Der Airbus A 330-200 mit der Registrierung F-GZCP war am Pfingstmontag, 1. Juni 2009, in Rio de Janeiro-Galeão mit dem Ziel Paris-Charles de Gaulle gestartet. Dort kam er nie an. Start und die erste Flugphase verliefen noch normal. Lediglich am Horizont in Flugrichtung zeigte das Wetterradar dicke tropische Unwetter. Andere Flugzeuge flogen rund um die gewaltige Unwetterzone.
Doch plötzlich verschwand in der Nacht zum 1. Juni der Airbus von den Radarschirmen. Er war mit 228 Menschen an Bord – darunter 28 Deutsche – in den Atlantik gestürzt. Lange wußte niemand, was geschehen war. Doch AF 447 war kein mysteriöser Absturz, wie seinerzeit spekuliert wurde. Die Daten der Flugschreiber, die erst 2011 in rund 3.900 Metern Tiefe gefunden wurden, ergeben eine sehr genaue Rekonstruktion.
Die Maschine befand sich danach im Reiseflug auf Flight Level 350, also rund 35.000 Fuß. In der Nähe der geplanten Route lagen kräftige konvektive Zellen der innertropischen Konvergenzzone. Die letzte Funkverbindung mit der brasilianischen Flugsicherung erfolgte um 1.35 Uhr UTC. Zwischen 2.10 Uhr und 2.14 Uhr UTC übermittelte das Flugzeug automatisch 24 Wartungsmeldungen über ACARS; diese wiesen unter anderem auf widersprüchliche Geschwindigkeitsmessungen und den Ausfall mehrerer Flugassistenzsysteme hin. Die Besatzung sendete keine Mayday-Meldung.
Erst fast zwei Jahre später wurden die ersten Trümmerteile aus dem Atlantik aus etwa 4.000 Meter Tiefe geborgen. Mit dabei vor allem die Aufzeichnungsgeräte, die Flugdaten und Gespräche im Cockpit aufzeichnen. Und die offenbarten die dramatischen letzten Minuten im Cockpit und die erstaunliche Ahnungslosigkeit der Besatzung über ihre wahre Lage.
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