Sogar eine Insolvenz ist denkbar: Das sind die Gründe für die Probleme bei VW

vor mehr als 1 Jahr

Sogar eine Insolvenz ist denkbar: Das sind die Gründe für die Probleme bei VW
Bildquelle: NiUS

Hohe Kosten, ein realitätsferner Betriebsrat, zu wenig Profite: NIUS-Kolumnist Markus Brandstetter erklärt, warum sich der VW-Konzern in einer Abwärtsspirale befindet.

Am Montag dieser Woche ist bei VW in Wolfsburg eine seit langem tickende Bombe explodiert: Drei Werke in Deutschland sollen nach Plänen des Vorstandes geschlossen, 10.000 Mitarbeiter entlassen und Löhne und Gehälter der Belegschaft um zehn Prozent gekürzt werden. Diese Hiobsbotschaft hat sich lange abgezeichnet. Aber dass sie dermaßen massiv einschlagen würde, hat ganz Deutschland überrascht. Es ist klar, dass solche Nachrichten keinen freuen: Weder Aktionäre noch Vorstände noch Manager, geschweige denn die Mitarbeiter, die am Schluss vieles ausbaden müssen. Die Frage ist nur, wie die Reaktionen auf solche Pläne ausfallen – und da lassen die Antworten von Betriebsrat und IG Metall einiges zu wünschen übrig. Oder um es deutlicher sagen: Deren Reaktionen waren jenseits von Gut und Böse.

Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo spricht am Montag vor VW-Mitarbeitern.

Das beginnt damit, dass die Vorsitzende des Konzernbetriebsrats, Daniela Cavallo, den Inhalt vertraulicher Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Management vor tausenden Beschäftigten ausgeplaudert hat. Sowas geht gar nicht. Verhandlungen auf hoher Ebene sind zuerst einmal ein internes Abstecken von Positionen, ein Austausch von Gedanken, Theorien und Thesen. Bei Verhandlungen wird immer geredet, meistens diskutiert, manchmal geschrien, mitunter gedroht. Aber Verhandlungen sind ein andauerndes Gespräch. Ein Gespräch, dessen Inhalt bis zum Abschluss einer Vereinbarung nie und nimmer an die große Glocke gehängt werden darf. Cavallo jedoch geht damit an die Öffentlichkeit und macht mit der längst obsoleten Rhetorik des Klassenkampfes Stimmung gegen ihr eigenes Unternehmen.

Und damit wären wir beim zweiten Punkt: Wir leben im Land der Sozialpartnerschaft. Das ist ein System, in dem Konzernleitung und Mitarbeiter an einem Strang ziehen und Konflikte dadurch vermeiden, dass sie partnerschaftlich den Ausgleich suchen. Was aber tut Frau Cavallo? Sie redet wie Rosa Luxemburg. Sie geht von vornherein auf Konfrontation. Sie bringt die Mitarbeiter gegen die eigene Unternehmensleitung in Stellung und stachelt sie mit gleichermaßen überkandidelter wie lächerlicher Rhetorik („Legt euch nicht mit uns an!“) zum Widerstand auf. Cavallo spuckt Töne, die hier seit langem nicht mehr gehört wurden. Töne, die in diesem Land keine Berechtigung haben, gerade bei VW, wo stolze 30.000 Mitarbeiter, die Hälfte aller Angestellten, zwischen 84.000 Euro und 150.000 Euro im Jahr verdienen.

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