Ausgerechnet die Deutsche Bahn musste den Schienenersatzverkehr für den ZDF-Journalismus übernehmen. Der Konzern, der seine Fahrgäste seit Jahren zuverlässig in Verspätung und Ungewissheit befördert, brachte Dunja Hayalis Dokumentation bei zwei zentralen Angaben zurück auf die Tatsachenschiene.
„Unsere Bahn: geliebt, verflucht – gefährlich?“ heißt die 43 Minuten lange Ausgabe der Reihe „Am Puls“. Hayali fährt ICE, besucht Stellwerke und lässt sich von Bahnchefin Evelyn Palla erklären, weshalb Deutschland seine Schieneninfrastruktur über Jahrzehnte verrotten ließ. Es geht um Betonkrebs, Uralttechnik und die Digitalisierung, die im deutschen Staatsbetrieb ungefähr mit der Geschwindigkeit eines liegengebliebenen Regionalexpresses vorankommt.
Das Thema bietet eigentlich Material für mehrere abendfüllende Sendungen. Das ZDF schaffte es trotzdem, sich an zwei leicht überprüfbaren Zahlen zu verheben. In einer Grafik behauptete der Sender, die Deutsche Bahn betreibe kein einziges digitales Stellwerk. Die richtige Zahl lautet: drei. Mehr als 20 weitere Stellwerke verwenden laut Bahn einzelne digitale Komponenten im Echtbetrieb. Drei digitale Stellwerke sind für ein Land dieser Größe kein Grund, die Sektkorken im Bordbistro knallen zu lassen. Es bleibt allerdings ein Unterschied, ob ein Sender drei oder null meldet.
Für den zweiten Unfall fuhr Hayali eigens nach Belgien. Dort seien 92 Prozent der Züge pünktlich, während die Deutsche Bahn im Fernverkehr auf beschämende 60,1 Prozent komme. Das sah nach einem eindrucksvollen internationalen Vergleich aus und hatte mit einem Vergleich nur wenig zu tun.
Wie die Deutsche Bahn vorrechnet, bezogen sich die belgischen 92 Prozent auf den gesamten Personenverkehr, während das ZDF ihnen die deutsche Fernverkehrsquote von 60,1 Prozent gegenüberstellte. Belgien betreibe überwiegend Nahverkehr auf einem Netz, das etwa ein Fünftel der Größe des deutschen Schienennetzes habe. Für den gesamten deutschen Personenverkehr nennt die Bahn eine Pünktlichkeitsquote von 88 Prozent, für den Regionalverkehr 88,7 Prozent. Das ZDF änderte daraufhin den Titel seiner Grafik von „Fernverkehr“ in „Personenverkehr“. In Mainz heißt eine statistische Vollbremsung offenbar Präzisierung.
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