Nach dem Blackout: Wie bringt man das Stromnetz wieder in Gang?

vor etwa 1 Jahr

Nach dem Blackout: Wie bringt man das Stromnetz wieder in Gang?
Bildquelle: Tichys Einblick

Ein Schwarzstart bezeichnet die Fähigkeit eines Kraftwerks, nach einem vollständigen Stromausfall (Blackout) eigenständig wieder in Betrieb zu gehen – ohne auf externe Energiequellen angewiesen zu sein. Dieser Prozess ist hochkomplex, sorgfältig geplant und entscheidend für die Wiederherstellung eines gesamten Stromnetzes.

Kohlekraftwerke etwa benötigen zum eigenen Betrieb selbst eine Menge Strom. Da müssen Pumpen betrieben werden, Förderbänder, Ventile geöffnet oder geschlossen werden, und das Ganze wird von einer elektrischen Schaltwarte aus gesteuert. Ohne Strom ist auch das nichts los.

Nur wenige Kraftwerke besitzen die notwendige Ausstattung für einen Schwarzstart. Typisch sind kleinere wasserbetriebene Kraftwerke, Gasturbinen oder spezielle Dieselgeneratoren. Große Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerke sind oft auf ein funktionierendes Stromnetz angewiesen und können nicht eigenständig hochfahren. Deshalb beginnt der Wiederaufbau des Netzes stets bei kleinen, robusten Einheiten.

Zunächst wird eine unabhängige Stromquelle aktiviert – beispielsweise ein Dieselgenerator. Dieser Generator liefert die notwendige Energie, um die ersten Betriebssysteme eines kleinen, schwarzstartfähigen Kraftwerks zu versorgen: etwa Steuertechnik, Kühlung, Schmierung und Leittechnik.

Relativ einfach ist dies bei einem Wasserkraftwerk. Dort öffnet die Schwarzstartstromversorgung die Einlassventile für die Wassermassen. Die treiben die Turbinen an und synchronisieren die ersten Generatoren.

Das schwarzstartfähige Kraftwerk bringt seinen Generator auf eine stabile Frequenz und eine definierte Spannung. In diesem frühen Stadium sind die elektrischen Lasten gering, und der Generator läuft in einem „Inselbetrieb“, unabhängig vom restlichen Netz.

Ist die erste Spannung stabil, wird vorsichtig damit begonnen, Teilbereiche des Netzes wieder zuzuschalten. Dies erfolgt äußerst kontrolliert: Zuerst werden eigene Betriebseinrichtungen, dann nahegelegene Umspannwerke und schließlich weitere Kraftwerke oder Verbraucher reaktiviert.

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