Der weltweite Abstieg der S-Klasse: Mit einem Facelift und beheizten Gurten soll jetzt alles besser werden

vor 6 Monaten

Der weltweite Abstieg der S-Klasse: Mit einem Facelift und beheizten Gurten soll jetzt alles besser werden
Bildquelle: NiUS

Lange galt die S-Klasse als rollender Maßstab: Wenn Mercedes eine neue Generation präsentierte, schaute die Branche hin – wegen Sicherheit, Komfort, Technik. Doch ausgerechnet das Auto, das den Stern über Jahrzehnte zum Leuchten brachte, ist zuletzt selbst zum Sorgenkind geworden.

Das jetzt vorgestellte Facelift der S-Klasse ist deshalb weniger elegante Routine als ein dringend benötigter Befreiungsschlag: Die Verkäufe der aktuellen Baureihe sind deutlich zurückgegangen, der frühere Abstand in den Verkaufszahlen zu BMWs 7er-Reihe ist praktisch aufgebraucht.

V.l.n.r: Markenbotschafter Roger Federer, Jörg Burzer (Chief Technology Officer, Entwicklung & Einkauf), Ola Källenius (Vorsitzender des Vorstands der Mercedes-Benz Group AG), Mathias Geisen (Vertriebschef) und Gorden Wagener (Chief Design Officer)

Mercedes inszenierte die Weltpremiere im eigenen Museum in Stuttgart – ein Ort, der für Mythos und Tradition steht. Markenbotschafter Roger Federer (20x Grand Slam gewonnen) posierte mit den wichtigsten Mercedes-Chefs. Passend zum Veranstaltungsort greift das Facelift auch symbolisch nach der Vergangenheit: Der Stern sitzt wieder prominent vorn auf der Haube – und leuchtet nun auf Wunsch sogar. Es ist ein Detail, das sofort auffällt, und genau darum geht es: Sichtbarkeit, Wiedererkennung, Signalwirkung.

Neu bei der S-Klasse eine frische Tagfahrlicht-Signatur sowie ein leuchtender Mercedes Stern auf der Haube.

Denn die S-Klasse ist für Mercedes nicht einfach ein Modell, sondern Identität auf Rädern. Entsprechend hoch hängt der Konzern die Latte. Konzernchef Ola Källenius betonte bei der Präsentation, kaum ein Fahrzeug stehe so sehr für das Erbe der Marke wie die S-Klasse – und deutete damit an, dass das Flaggschiff wieder dorthin soll, wo es aus Sicht der Stuttgarter hingehört: an die Spitze.

Der Blick auf die Marktzahlen erklärt, warum die Erwartungen an die Überarbeitung so groß sind. Nach branchenüblichen Marktdaten kam Mercedes 2025 weltweit nur noch auf rund 35.000 verkaufte S-Klassen, hinzu kamen etwa 5.000 Einheiten des Elektro-Pendants EQS. BMW lag im gleichen Zeitraum mit der 7er-Reihe und dem i7 zusammen bei rund 45.000 Fahrzeugen. Mercedes kann den Vergleich zwar schöner rechnen, wenn die deutlich teureren Maybach-Versionen mitgezählt werden – dann landet der Konzern insgesamt wieder vorn. Nur: BMW betrachtet Maybach nicht als direkten 7er-Gegner, sondern als eigene Luxusliga. Und genau dieser Streitpunkt zeigt das Problem: In der klassischen Oberklasse, dort, wo die „normale“ S-Klasse antreten muss, hat Mercedes spürbar an Boden verloren.

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