Was ist eigentlich mit Deutschland los?

vor 8 Monaten

Was ist eigentlich mit Deutschland los?
Bildquelle: Tichys Einblick

Ebert zeichnet den an sich erstaunlichen Prozess nach, wie die in der akademischen Welt entwickelte postmoderne Weltanschauung, die man etwas vereinfachend als „woke“ bezeichnen kann, innerhalb weniger Jahre voll auf den Alltag der Menschen durchgeschlagen hat: Galt die Auffassung, dass ein Mann eine Frau sein könne, bei Monthy Python noch als Witz, verliert man heute unter Umständen den Job, weil man nur Frauen als Frauen bezeichnen will.

Mehr noch: Man ist fortwährend mit den Folgen dieser ideologischen Neuinterpretation der Geschlechtlichkeit konfrontiert: Ob als Frau, die sich im Fitnessstudio plötzlich neben einem Mann umziehen muss, als Kindergartenkind, dem eine Dragqueen vorliest, oder als Passant, der auf absonderliche Werbeplakate mit Männern im Bikini starren muss. Existenzielle wie banale Erfahrungen sind geprägt von einer grundlegenden Umdeutung der Welt.

Ebert beschreibt die damit einhergehende Realitätsverweigerung en detail: Ob Umdeutung der Biologie, Verleugnung der negativen Folgen von Migration oder ein Wirtschafts- und Sozialsystem, das allen Gesetzen des Marktes und der Motivation zum Trotz Eigeninitiative obsolet macht, blockiert oder gar bestraft.

Als geübter Kabarettist versteht es Ebert, den Irrsinn gelassen, pointenreich und ohne jede Larmoyanz Revue passieren zu lassen.

So gibt er freimütig zu, das Buch sei „aus der Perspektive eines Boomers geschrieben“ – und ist sich bewusst, dass seine verklärten Kindheits- und Jugenderinnerungen an eine sehr viel normalerer Zeit auch zum Teil der Sentimentalität geschuldet sind.

Eberts Stärke ist die Darlegung des Ist-Zustands. Die Herleitung, wie es zu dieser Situation kommen konnte, sprüht zwar ebenfalls vor Witz, der Autor übernimmt sich allerdings, wenn er neben naturwissenschaftlichen auch philosophische, religiöse und historische Erkenntnisse zum Besten gibt .

Im Grunde macht Ebert ein Ungleichgewicht zwischen Ratio und Gefühl für die Lage verantwortlich: Wir, beziehungsweise unsere Gefühle – so der Untertitel von Wot se Fack, Deutschland – haben „den Verstand verloren“.

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