US-Aktien verzeichneten nach Bekanntwerden der Wahl Donald Trumps einen kräftigen Kurssprung. Es heißt, politische Börsen hätten kurze Beine. Die vergangenen 80 Börsenjahre haben allerdings gezeigt, dass der Wahlausgang durchaus ein Indikator für künftige Börsenperformance sein kann. Wer auf Voodoo-Indikatoren vertraut, wurde in der Nacht des 9. Februar zum Pessimisten. Da siegte nach drei Jahren, in denen jeweils die Kansas City Chiefs aus der AFC den Superbowl für sich entschieden hatten und sich zum Gegenmodell des klassischen Superbowl-Indikator entwickelt hatten, wieder einmal ein NFC-Team. Aber ob die Philadelphia Eagles nun gut oder schlecht für die Wall Street sind, muss sich nun weisen.
Da sind die politischen Einflüsse auf die Börse deutlich zuverlässiger. Ein Blick in die Börsengeschichte anhand der historischen Daten, die der Nobelpreisträger Robert Shiller für sein Buch „Irrational Excuberance“ (Irrationaler Überschwang) zusammengestellt hat, zeigt: Wer langfristig anlegt und bereits breit gestreut in US-Aktien investiert ist, kann sich beruhigt zurücklehnen – Superbowl hin oder her.
Der US-Aktienmarkt hat seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine stetige, wenn auch nicht schwankungsfreie Aufwärtsentwicklung genommen. Aus einem Investment von einem Dollar im Januar 1945, dem Beginn der Amtszeit des demokratischen Präsidenten Harry S. Truman, wurden bis zum 3. Januar 2025, also knapp 80 Jahre später, mehr als 5700 Dollar. Das entspricht einer jährlichen Rendite von 11,4 Prozent. Dabei wird unterstellt, dass Dividendenzahlungen stets reinvestiert wurden, und steuerliche Aspekte sind nicht berücksichtigt.
Im Schnitt verdoppelte sich der Wert der Aktien also etwa alle sechseinhalb Jahre, und das trotz der -Nachwehen des Zweiten Weltkriegs, der Korea-, Golf- und Russland-Ukraine-Kriege, der Kuba-, Öl- und Immobilienkrisen, der Dotcom- und Lehman-Crashs und der Covid-Pandemie. Der nahezu lineare Verlauf der Wertentwicklung in der Grafik bedeutet aufgrund der logarithmischen Skalierung, dass die prozentualen Zuwächse langfristig mehr oder weniger konstant waren. Die kaufkraftbereinigte Jahresrendite, das heißt nach Berücksichtigung der US-Inflation, lag im Schnitt bei 7,5 Prozent. Das bedeutet, dass sich die Kaufkraft einer Aktienanlage in weniger als zehn Jahren verdoppelte.
Wer in Jahrzehnten denkt, muss seine Anlageentscheidungen in US-Aktien nicht von der Parteizugehörigkeit des amtierenden oder künftigen Präsidenten abhängig machen. Bei kurzen Anlagezeiträumen spielt es dagegen durchaus eine Rolle, ob ein Republikaner oder ein Demokrat im Oval Office das Sagen hat. In den 40 Jahren republikanischer Präsidentschaften seit 1945 betrug die durchschnittliche Jahresrendite 8,9 Prozent, in den knapp 40 Jahren demokratischer Präsidentschaften 14,0 Prozent. US-Aktien erlitten unter republikanischen Präsidenten heftigere krisenbedingte Kursrückschläge. Ein Blick auf die Kursentwicklung zurück bis 1871, also zehn Jahre nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs, bestätigt das Muster: Über den gesamten Zeitraum der vergangenen fast 155 Jahre betrug die durchschnittliche Jahresrendite 9,3 Prozent. Unter republikanischer Präsidentschaft waren es 8,4 Prozent, unter demokratischer 10,0.
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