Nach mehr als zwei Jahrzehnten an der Spitze der Essener Tafel hat der langjährige Vorsitzende Jörg Sartor zum Abschied noch einmal scharfe Kritik an der Bundesregierung geübt. In einem Interview mit RTL West rechnete der 69-Jährige insbesondere mit Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD), Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) ab. Zudem äußerte sich Sartor ausführlich zu Zuwanderung, sozialer Integration und zur Einwanderung in das deutsche Sozialsystem.
Sartor, der die Essener Tafel über 20 Jahre geprägt hat und bundesweit vor allem wegen des Aufnahmestopps für ausländische Neukunden im Jahr 2018 bekannt wurde, nutzte das Interview unter anderem für eine grundlegende Kritik an politischen Entscheidungen der vergangenen Jahre. Bereits damals hatte die Essener Tafel zeitweise nur noch deutsche Neukunden aufgenommen, um ein Ungleichgewicht bei der Verteilung zu korrigieren. Sartor verteidigt diese Entscheidung bis heute ausdrücklich. „Ich habe immer gesagt, das würde ich sofort wieder machen“, sagte er zuletzt im Gespräch mit Der Westen.
Im RTL-Interview stellte Sartor einen Zusammenhang zwischen der Migration seit 2015 und der veränderten Situation bei den Tafeln her. Er verwies auf einen hohen Anteil ausländischer Leistungsempfänger und schilderte, dass der Anteil ausländischer Kunden bei der Essener Tafel zeitweise bei rund 80 Prozent gelegen habe. Dies habe insbesondere ältere Menschen abgeschreckt, zur Anmeldung zu kommen. „Das Verhältnis war nicht mehr im Lot“, sagte Sartor. Gleichzeitig widersprach er Darstellungen, wonach es bei der Essener Tafel regelmäßig zu aggressivem Verhalten oder Randale gekommen sei. „Das gab’s bei uns nicht“, erklärte er. Übergriffe wie andernorts habe es in Essen „Gott sei Dank nicht“ gegeben. Konsequenz sei jedoch stets wichtig gewesen: Wer sich nicht an Regeln gehalten habe, habe dauerhaft Hausverbot erhalten.
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