Im Gedenken an Urs Schoettli

vor 9 Monaten

Im Gedenken an Urs Schoettli
Bildquelle: Tichys Einblick

Das erste Mal traf ich Urs 1968 als Generalsekretär der Liberalen Internationale in London – im National Liberal Club, White Hall Place 1. Das Viktorianische Gebäude war in die Jahre gekommen, strahlte aber gerade deshalb Geschichte aus. Heute erstrahlt es in neuem Glanze für Hochzeiten und andere festliche Ereignisse.

Urs ging mit mir zu Simpson’s-in-the-Strand, dem Traditions-Restaurant seit den 1850ern, in dem 1968 die Cocktail-Bar im Erdgeschoss nach wie vor nur für Männer da war, aber in den Dining Room im ersten Stock durften neuerdings auch Frauen. Dort lernte ich Urs‘ Frau, die Inderin Sushma kennen, die ihm in Witz und Verstand in nichts nachstand. Es war so wie immer, das erste Mal wird man Freund oder nie.

Die meiste Zeit seines Lebens schrieb Urs Schoettli für die NZZ von Bern bis Tokio, wo er viele Jahre lebte. Der Vorarlberger Schweizer Gerhard Schwarz widmete ihm in der NZZ diese Worte: »Der Mann war eine Wucht. Er liebte es, zu provozieren, zumal im kleinen Kreis. Was euphemistisch „politische Korrektheit“ heisst, war Urs Schoettli ein Greuel. Auch in seinen Artikeln, Büchern und vor allem den Referaten wählte er Klartext, wenn er glaubte, diesen dem Publikum zumuten zu können. Dabei neigte er zu düsteren, leider manchmal zutreffenden Perspektiven. So klagte er vor zehn Jahren: „Europa versinkt in der Bedeutungslosigkeit, Deutschland ist marginalisiert, der Liberalismus dämmert auf dem Siechenbett dahin.“»

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