Manchmal entsteht Propaganda durch das Gesagte, manchmal durch das Weggelassene. Der Tagesschau gelang am 23. Mai das Kunststück, beide Formen der Propaganda zu erfüllen. In der Halbzeitsendung des DFB-Pokalfinals wurde das Publikum für blöd verkauft.
Bei großen Fußballspielen läuft die Tagesschau-Redaktion zu Höchstleistungen auf. Schließlich gibt es selten die Chance, so viele Menschen in der Halbzeit zu erreichen. Mögen sie auch nur deshalb zuschauen, weil die Fernbedienung verlegt ist oder die Pause zur Nachschubbesorgung am Grill genutzt wird, so ist das zusätzliche Publikum dennoch eine große Chance.
Wenn so ein Fußballspiel dann auch noch mit dem Jahrestag des Grundgesetzes zusammenfällt, knallen bei den ARD-Journalisten die Sektkorken. Wo vernünftige Redakteure eine Chance zur Mehrwertgenerierung für das Publikum entdecken würden, nutzen ÖRR-Angestellte die Gunst der Stunde leider für eine einzige Verblödungsmaßnahme.
Etwas über zwei Minuten dauerte der Bericht des journalistischen Flaggschiffs der ARD. Zum 77. Jubiläum des Grundgesetzes bekamen die Zuschauer ein Best-of der Weltsicht „unserer Demokratie“ serviert. Alles, was relevant sein könnte, wurde hingegen verschwiegen.
Der gesamte Beitrag wäre auch als Pressemitteilung des Bundespräsidenten durchgegangen. Frank-Walter Steinmeier hatte einen „Ehrentag“ ausgerufen, der den Sinn hat, Vereine und Initiativen sichtbar zu machen, die sich „für die Gemeinschaft“ engagieren. Man konnte das Staatsoberhaupt, mit Gärtnerhandschuhen und hochgekrempeltem Hemd ausgestattet, beim Pflanzen von Tomaten bestaunen.
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