Neue Studie: Der Infraschall moderner Windkraftanlagen

vor etwa 2 Monaten

Neue Studie: Der Infraschall moderner Windkraftanlagen
Bildquelle: Tichys Einblick

Moderne Windkraftanlagen erzeugen erheblichen Infraschall, dessen Pegel und Intensität deutlich höher ist als bisher von älteren Anlagen berichtet wird. Das zeigt eine neue wissenschaftliche Arbeit aus Schweden, die auf umfangreichen Messungen beruht. Damit werden auch Behauptungen des Umweltbundesamtes entkräftet, denen zufolge Infraschall von Windanlagen unterhalb sogenannter „Wahrnehmungsschwellen“ liege, also nicht hörbar sei und damit keine Rolle spielen könne. Außerdem betont die Arbeit, dass dieser Infraschall kein gleichmäßiges Grundrauschen darstellt, sondern gepulst ist. Das relativiert auch jene Aussage, dass in der Natur überall Infraschall vorkomme – dieser nämlich hat einen vollkommen anderen Charakter. Zudem wird der durch Windkraftanlagen erzeugte Infraschall kaum gedämpft.

Die Arbeit behandelt unter anderem die besondere Charakteristik des Infraschalls, der von Windrädern ausgeht. Jeder Durchgang eines Rotorblatts am Turm erzeugt einen Druckimpuls. Das Blatt passiert den Turm, dabei verdichtet sich kurzzeitig die Luft und erzeugt jene typischen knallenden Geräuschen in verschiedenen Frequenzbereichen. Infraschall von Windrädern ist also kein gleichmäßiges Rauschen. Diese „Blattpassierfrequenz“ sinkt mit zunehmender Rotorgröße. Bei modernen großen Anlagen liegt sie typischerweise zwischen 0,2 und 0,5 Hertz; ältere kleinere Anlagen lagen eher bei 0,7 bis 0,9 Hertz. Im Spektrum erscheinen Grundfrequenz und harmonische Frequenz als schmale Spitzen. Natürlicher Infraschall ist demgegenüber meist breitbandiger und weist keine vergleichbar regelmäßigen maschinenbedingten Spitzen auf.

Da die Ausbreitung des Schalls stark von Gelände, Boden, Wind, Temperaturprofil und atmosphärischer Schichtung abhängt, reichen Standardmodelle nach Auffassung der Autoren nicht aus, um den tieffrequenten Schall moderner Windparks realistisch zu bewerten.

Das ist bedeutsam, weil die Forscher nicht mehr nur mit mehr oder weniger fragwürdigen Computermodellen gerechnet, sondern tatsächlich gemessen haben. Sie haben der Studie Infraschallmessungen aus zwei schwedischen Windparks zugrundegelegt: Målarberget mit 27 Vestas V150-4,2-MW-Anlagen und Lervik mit sieben SG170-6,6-MW-Anlagen. Beide Anlagentypen erreichen etwa 200 Meter Gesamthöhe. Gemessen wurde mit kalibrierten Tieffrequenzmikrofonen in Entfernungen von etwa 500 Metern bis 2 Kilometern zur nächsten Turbine. Genau dieser Bereich ist wichtig: nicht direkt am Turm, aber noch nah genug, dass das Signal dem Windpark zugeordnet werden kann.

Das zweite wichtige Merkmal der Messreihen: Die Forscher haben einen Abschaltversuch gemacht, die Windräder also stillgelegt, um Unterschiede messen zu können. Während der Windpark lief, war das Infraschallsignal deutlich höher. Als am 23. Oktober 2024 die Anlagen in Målarberget herunterfuhren und nach rund 150 Sekunden stillstanden, fiel die Amplitude deutlich ab und stabilisierte sich auf einem niedrigeren Hintergrundniveau. Damit erweist sich die alte Behauptung, ab einigen hundert Metern messe man praktisch nur noch natürlichen Windhintergrund, als falsch.

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