Der öffentliche Aufschrei war enorm, als der Spiegel das Martyrium der Collien Fernandes enthüllte. Wie praktisch, dass Justizministerin Stefanie Hubig gerade ein Gesetzesvorhaben zur Eindämmung von Online-„Gewalt“ in der Schublade hatte – inklusive effizienterer Überwachung anonymer Umtriebe im Netz.
Das hätte zwar den Fall Fernandes, der sich im Nachhinein als Nicht-Fall erwies, nicht verhindert, aber als Vehikel taugte die Affäre um Pornovideos doch. Spätestens seit Correctiv hat es sich als praktikabel erwiesen, dem Bürger im Zusammenspiel von Politik und Medien einen hochemotionalen Anlass zu bieten, ihn damit auf die Straße zu locken und lautstark fordern zu lassen, was man sonst mühsam politisch ausdiskutieren müsste.
Politik als gefühlsbetonte Einzelfallkampagne zur Durchsetzung der Ziele von Interessengruppen. Diese Herangehensweise zeigt sich nun auch in der Causa Streeck.
Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Allerdings streben Lobbyisten danach, dies zu ändern. Und sie können erste Erfolge verbuchen. Die Frauen Union etwa will das strikte Verbot der Eizellspende lockern. Natürlich nur im eng eingegrenzten Einzelnotfall! Und gerade da macht ganz zufällig die Nachricht die Runde, dass ein homosexueller CDU-Politiker mit seinem Partner im „Babyglück“, so die Bild, schwelgt. Auch so ein Einzelfall. Wer will einem Menschen schon das Glück versagen? Emotionalisierung als Hebel, um den gesellschaftlichen Diskurs zu steuern.
Das funktioniert hervorragend: Wir sollen nicht über das Kindeswohl sprechen, über das Recht auf Identität und Herkunft, über den Schutz vor Missbrauch oder den Schutz von Frauen vor Ausbeutung. Wir sollen hingegen überzeugt werden von der Machbarkeit von Familie, und davon, dass jeder alles haben kann und darf, was er will. In sozialistischer Manier wird nicht nur der materielle Neidreflex bedient. Auch immateriell wird Gleichheit versprochen. Vorausgesetzt, man hat genug Geld.
Denn Leihmutterschaft ist vor allem eines: Ein milliardenschweres globales Business. Es stehen knallharte monetäre Interessen hinter dem Geschäft, das als Dienst an Kinderlosen verkauft wird.
Die Reproduktionsindustrie vermarktet sich geschickt. Wer über die Ausstellungsflächen von Kinderwunschmessen wie Men having babies oder Wish for a baby schlendert, der sieht auf den Plakaten nur strahlende Menschen, glückliche Säuglinge.
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