Für Friedrich Nietzsche bemaß sich Freiheit anhand der Zeit, die einem Individuum zur eigenen Disposition zur Verfügung stand. Zwei Drittel des Tages sollten es schon sein, so der Philosoph, um sich berechtigterweise als freies Individuum fühlen zu können.
Sicherlich: Nietzsche lebte in einer anderen Epoche, unter anderen wirtschaftlichen Bedingungen. Übertragen wir dieses Gedankenkonstrukt dennoch auf das gegenwärtige Verhältnis des Bürgers zu seinem Staat, so tritt die Erkrankung unserer Gesellschaft unmittelbar ins Auge: Erwerbstätige der freien Wirtschaft treten in der Regel mehr als die Hälfte ihres wirtschaftlichen Ertrags an den Staat, seine Bürokratie und das wahnwitzige Wohlfahrtssedativum ab, um eine wuchernde Struktur liquide zu halten, die immer dreister nach den Früchten der Erwerbs‑ und Lebenszeit der Bürger greift. Das heißt: Vater Staat raubt mehr als die Hälfte der Arbeitszeit und legt damit seinem steuerpflichtigen Untertan eine zwar unsichtbare, aber immer schwerere Kette um den Leib.
Dass wir im Falle der Bundesrepublik in einem Hochsteuerland leben, ist ja keine neue Erkenntnis. Und jedem Steuerzahler sollte klar sein, dass es sich bei den wiederkehrenden Steuersenkungs‑ und Bürokratieabbau‑Debatten um nichts anderes handelt als um medientaktische Schaumschlägerei von Politikern, die den nächsten Wahltermin fürchten.
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