Der Nordhäuser Landrat Matthias Jendricke hat das Bürgergeld scharf kritisiert. „Mit dem Bürgergeld wurde zu viel Drückebergertum herangezüchtet“, sagte der SPD-Politiker dem Tagesspiegel. Viele Leistungsempfänger hätten nach seiner Einschätzung darauf vertraut, dass ihnen bei fehlender Mitwirkung höchstens ein geringer Teil ihrer Leistungen gekürzt werde. Jendricke sagte: „Die Leute hatten oft das Gefühl: Mehr als zehn Prozent kürzen die mir eh nicht, und diese zehn Prozent gibt mir Oma wieder obendrauf.“
Jendricke ist seit 2015 Landrat des thüringischen Kreises Nordhausen. Im November vergangenen Jahres hatte er gemeinsam mit dem örtlichen Jobcenter und dem Verein Horizont ein Modellprojekt für junge Arbeitslose gestartet. Zielgruppe sind Bürgergeldempfänger unter 25 Jahren, die keine abgeschlossene Ausbildung haben und bislang nicht in Arbeit vermittelt werden konnten. Formal handelt es sich nicht um eine neu geschaffene kommunale Arbeitspflicht, sondern um Arbeitsgelegenheiten nach Paragraf 16d des Zweiten Sozialgesetzbuchs – sogenannte Ein-Euro-Jobs.
Die Teilnehmer arbeiten in Werkstätten des Vereins Horizont. Sie reparieren unter anderem Bänke auf Spielplätzen oder Hütten für Weihnachtsmärkte. Das Jobcenter soll sie parallel dabei unterstützen, einen Ausbildungsplatz, ein Praktikum oder eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu finden.
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