Nach allem, was die Öffentlichkeit über Robert Habeck weiß oder zumindest wissen könnte, nach gut drei Jahren seiner Amtszeit und dem Zustand des Landes, speziell in dem Bereich, für den sein Ministerium zuständig zeichnet, kommt ein Beobachter nicht um die Frage herum: Wie lässt sich der phänomenale Erfolg dieser Person erklären?
Denn um einen Erfolg handelt es sich ohne jeden Zweifel, wenn ein verantwortlicher Politiker mit seiner Bilanz trotzdem in überfüllten, grün ausgeleuchteten, schlecht belüfteten Hallen am Ende seiner Monologe mit segnend ausgebreiteten Armen vor dem Publikum steht, das die Augen zu ihm aufschlägt und sich am Ende mit den Zeichen echter Ergriffenheit erhebt. Sie kommen freiwillig, und Ergriffenheit gehört zu den Zuständen, die Schauspieler imitieren können, aber nicht Laien. So etwas geschieht nicht grundlos. Wem das gelingt, der muss dafür Mentalitätsvorräte aufspüren, um sie nicht nur gelegentlich, sondern dauerhaft anzuzapfen.
Die Wendung Erfolgsgeheimnis, eigentlich eine abgenutzte Phrase, passt hier ausnahmsweise perfekt. Denn erstens handelt es sich wirklich um einen Erfolg. Zweitens lässt er sich nicht erklären, zumindest nicht nach herkömmlichen politischen Maßstäben. Wer schreiben würde: ‘Zu Robert Habeck fällt mir nichts ein‘, der beginge einen Fehler, zumindest einen halben. Denn die Gründe dafür, dass er dort steht, wo er steht, liegen auch, aber nicht nur in seiner Person. Durch ihn spricht ein Phänomen, das, um es habeckmäßig zu sagen, sehr viel größer und mächtiger ist als er.
Bevor sich dieser Text mit Robert Habecks eigentlichem Kraftquell befasst, soll es kurz um den Stand seiner politischen Bemühungen gehen. Jetzt, im Winterwahlkampf des Jahres 2025, erlebt er einen persönlichen Höhepunkt, dem wahrscheinlich nichts derart Großartiges mehr folgt. Denn Robert Habeck will nicht ins Kanzleramt einziehen. Das weiß auch jeder, er am allerbesten. Er strebte schon 2021 eine andere Wunschposition an, nämlich die des grünen Kanzlerkandidaten mit allem, was seiner Meinung nach dazugehört: das überlebensgroße eigene Bildnis auf dem Münchner Siegestor, Bühnenmonologe vor Anhängern, durchchoreografierte Küchentischgespräche, Befragtwerden im öffentlich-rechtlichen Rundfunk: „Was hätten sie lieber, den Posten des Bundeskanzlers oder den Literaturnobelpreis?“ Diese Position besetzt er jetzt, und er lebt sie noch vier lange Wochen aus.
Besser kann es für ihn nicht mehr werden. Bei der Position des Wirtschaftsministers handelte es sich dagegen nicht um sein Sehnsuchtsziel. Im Wahlkampf 2021 traf sich Habeck mit dem Chef einer Polizeigewerkschaft, außerdem mit einem hohen Beamten des Sicherheitsapparats, um zu eruieren, was sie von ihm im Amt des grünen Innenministers halten würden. Die Reaktionen fielen jeweils sehr zurückhaltend aus. Aber das allein hätte seine Pläne wahrscheinlich noch nicht geändert. Am Ende entschied der Kabinettszuschnitt, in dem der Innenministerposten auf Wunsch des Kanzlers an eine Frau fiel, die er über diesen Umweg zur hessischen Ministerpräsidentin zu machen beabsichtigte.
In Habecks programmatischen Schriften („Wer wir sein könnten“) findet sich kaum ein Bezug zur Ökonomie. Es gibt die einen oder anderen früheren Äußerungen, die sich im weitesten Sinn als wirtschaftspolitische Vorstellungen interpretieren lassen. Um einige davon soll es in diesem Text auch gehen. Aber alles in allem wünschte er sich schon damals eine Art von Gesellschaftsministerium, das seinem Zug zum autoritären Denken und seinem Größenbedürfnis etwas besser entspricht als das Ressort, das er dann tatsächlich abbekam. Immerhin führte er es dann mit der Absicht, beispielsweise die Anwendung einer bestimmten Heiztechnik zu belohnen und andere zu bestrafen, was sich wiederum nicht ohne ein umfangreiches Kontrollregime bewerkstelligen lässt.
Industriebranchen benötigen seiner Meinung nach keine Entlastung, sondern die steuernde und kontrollierende Hand des Staates; Unternehmer und Bürger spielen bei ihm vor allem die Rolle der Steuer- und Abgabenlieferanten, die sie, wie er sie in diesem Wahlkampf wissen lässt, noch nicht im ausreichenden Umfang erfüllen. Seine Ausführungen zu den Gefahren der Meinungsfreiheit ganz allgemein und der Notwendigkeit der X-Einschränkung im Besonderen zeigen, wo seine politischen Leidenschaften liegen. Jedenfalls nicht darin, öfter als unbedingt nötig in die viel zu kleine Welt von Entfernungspauschale, Insolvenz-, Steuer- und Sozialrecht hinabzusteigen, also dorthin, wo die Realität einen schneller umzingelt, als man ‘Möglichkeitsraum‘ sagen kann. Dafür hält man sich Personal im Ministerium, für Detailsklärenwirspäter. Seine Vorlieben und Abneigungen erhellen recht gut, warum ihm die deutschen Wachstums- beziehungsweise Schrumpfungszahlen ganz offenkundig nichts ausmachen. Es handelt sich schlicht nicht um sein Metier.
Dass Habeck das tiefsitzende Bedürfnis eines nicht gerade kleinen Teils der Deutschen nach autoritärer Rhetorik gegen die eigenen Landsleute mindestens so präzise erkennt wie weiland Angela Merkel, erklärt allerdings nur einen Teil seiner Anziehungskraft. Auch sein herausgestelltes Großmogultum, mit dem er andeutet, welche Gegner seiner gefühlten Kragenweite entsprechen – nämlich Musk und Trump – gehört zum Gesamtpaket. Allerdings nur als Beigabe, nicht als Hauptattraktion. Eine Antwort auf die Frage, warum gerade der realexistierende Robert Habeck Zehntausende anzieht und zur ehrlichen Begeisterung bringt, lässt sich nur in einem Phänomen finden, das sich in seiner Wirkung nicht auf das grüne Kernmilieu beschränkt. Und auch nicht auf Deutschland.
DRAMA IN REGENSBURG: Geiseldrama beendet! SEK nimmt Verdächtigen fest - Ein Toter | STREAM










