Als gesellschaftlicher Kitt und als Bindung des Individuums an einen höheren Existenzzweck hat der Patriotismus nach Jahrzehnten des Kulturkampfes hierzulande einen schlechten Leumund. Es ist der Vereinten Linken gelungen, dieses bindende und integrierende Kulturferment mit den historischen Katastrophen des Nationalsozialismus, Imperialismus und Kulturchauvinismus zu verschmelzen und schließlich aus dem Selbstverständnis des Volkes zu bannen. Der Patriot gilt heute als gesellschaftlicher Außenseiter, Querdenker und intoleranter Antagonist humanistischer Werte.
Die Mühlen jener sozialistischen Kulturrevolution, die sich seit den späten 60er Jahren in Bewegung setzten, haben sorgfältig gemahlen. Es ist dem Kartell linksradikaler Ideologen, opportunistischer Politik, einem wuchernden akademischen Betrieb und dem Mediensektor gelungen, dem Wurzelwerk von Tradition, Religion, Familie und Bürgertum ein ausreichendes Quantum Gift zu verabreichen. Der moderne Patriot macht sich maximal verdächtig, wenn er die Segnungen des Kulturrelativismus und des woken Nihilismus unserer Zeit ablehnt.
Nirgendwo gedeiht der antibürgerliche Reflex so reichhaltig wie im deutschen NGO-Komplex und in der beinahe schrillen akademischen Flankenarbeit im Kampf um Cancel Culture, Wokeism und der Bereinigung unserer Sprache – und zwar genau um jene Begriffe, die die Türen zu einer kulturbejahenden, traditionsbestätigenden Erziehung öffnen würden. Wie schön klingen doch Worte wie „Vaterland“, „Patriotismus“ und „Heimatliebe“.
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