Kritik mit Liebeserklärung: Rubio liest Europa die Leviten – und erntet Standing Ovations

vor 5 Monaten

Kritik mit Liebeserklärung: Rubio liest Europa die Leviten – und erntet Standing Ovations
Bildquelle: NiUS

Zwei Reden, zwei Welten: Am Freitag hatte Kanzler Friedrich Merz (CDU) mit seiner Eröffnungsrede (NIUS berichtete) den Ton für die diesjährige Münchner Sicherheitskonferenz setzen wollen. Einer düsteren Analyse der zerfallenden Weltordnung und im Innern „getriebener Gesellschaften“ der westlichen Demokratien hatte er einen Ausblick angeschlossen, der im Kern nur die Rückkehr zu alten Bündnissen und Bindungen als Ausweg vorsah.

Wie anders der mit Spannung erwartete Auftritt von US-Außenminister Marco Rubio, der Merzens Depression eine kraftvolle Vision entgegenstellte. Eine Vision, die ebenfalls eine „Rückkehr“ forderte, anders als in der Rede des Kanzlers aber keine Rückkehr zu alten Illusionen, sondern zu den Grundlagen der westlichen Welt, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut wurden.

Rubio fand eine gute Balance zwischen Kritik und gemeinsamer Einschwörung

Damals, so Rubio, „einte uns nicht nur, wogegen wir kämpften. Uns einte auch, wofür wir kämpften. Und gemeinsam setzten sich Europa und Amerika durch. Ein Kontinent wurde wiederaufgebaut. (…) Diese berüchtigte Mauer, die diese Nation in zwei Teile gespalten hatte, fiel – und mit ihr ein böses Imperium. Ost und West wurden wieder eins.“

Doch dann rechnete der Amerikaner auch schon mit den Wunschwelten idealistischer Übereinkünfte ab, denen sich viele, auch Merz in seiner Rede, viel zu lange hingegeben hatten: „Dass die sogenannte regelbasierte globale Ordnung – ein überstrapazierter Begriff – das nationale Interesse ersetzen würde. Und dass wir fortan in einer Welt ohne Grenzen leben würden, in der jeder zum Weltbürger wird. Das war eine törichte Idee. Sie ignorierte die menschliche Natur – und sie ignorierte die Lehren von über 5000 Jahren aufgezeichneter Menschheitsgeschichte. Und sie hat uns teuer zu stehen kommen lassen.“

Die Rede von Rubio wurde in der ganzen Welt mit Spannung erwartet.

Während Merz den Freihandel pries, blickt Rubio nüchtern auf die Ungleichgewichte des Welthandels: „In dieser Illusion haben wir eine dogmatische Vision von freiem und ungehindertem Handel übernommen, während manche Nationen ihre Volkswirtschaften schützten und ihre Unternehmen subventionierten, um unsere systematisch zu unterbieten – unsere Werke zu schließen.“

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