„Karneval ist tolerant“, sagt NRW-Innenminister Reul, der sich, diese Toleranz bis an die Schmerzgrenze ausreizend, in preußischer Pickelhaube zum rheinischen Karneval einfindet. Das ist Wagemut.
Andererseits ist der rheinische Preußenhass wohl deutlich weniger gewalttätig und gefährlich als islamistischer Terror, dem der Karneval in diesem Jahr vielerorts zum Opfer fällt: In kleinen Dörfern sollen überdimensionierte Betonpoller psychisch belastete Autos davon abhalten, spontan in die feiernde Menge zu rasen, auch Städte wie Münster erhöhen die Anzahl der Zufahrtssperren; die Sicherheitsbehörden haben Personal aufgestockt und passen ihre Sicherheitskonzepte der Bedrohungslage an. Dort, wo man sich all das nicht leisten kann, oder wo Sorge vor Anschlägen überwiegt, werden Umzüge und Veranstaltungen gleich ganz abgesagt, so wie etwa der Kinderfasching in Nürnberg.
Ganz konkret zeigt sich einmal mehr, wie sehr sich unser Land verändert hat. Dem muss auch Reul Rechnung tragen, mit Preußennostalgie kommt man angesichts der veränderten Realität nicht weit: So mahnt auch er zu Vorsicht – und gibt damit zu, dass von unbeschwertem Feiern nicht die Rede sein kann.
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