Muttis Bubi ist Fritzes letzter Fan

vor etwa 2 Monaten

Muttis Bubi ist Fritzes letzter Fan
Bildquelle: Tichys Einblick

Die Junge Freiheit nannte Philipp Amthor 2018 „Muttis Bubi“. Das war damals schon mehr als eine boshafte Pointe. Das war die zutreffende Beschreibung einer Person, die in der Merkel-CDU früh Karriere machte. Amthor war der alte Mann im jungen Körper, der sich anzog wie ein senioriger Sparkassen-Filialleiter. Adrett mit Krawatte, Professorenton und Staatsbürgerblick, den die Union vorzeigen konnte, wenn sie ihren verbliebenen bürgerlichen Wählern noch irgendein Zeichen geben wollte. Seht her, da ist noch einer, der nicht nach grüner Hochschulgruppe aussieht. Mehr sollte er offenbar auch gar nicht leisten.

Amthor hatte schon früh seine Jugend vorsorglich übersprungen. Er sprach mit Anfang zwanzig wie ein Mann, der seit Jahrzehnten Kreisparteitage protokolliert und Geschäftsordnungsanträge innerlich nach Paragrafen sortiert. Dieser altkluge Habitus machte ihn auffällig und für Talkshows brauchbar. Die CDU bekam einen Nachwuchspolitiker, der wie die Erinnerung an eine Partei wirkte, die es in dieser Form längst nicht mehr gab. Er konnte streng klingen, ohne der Parteiführung gefährlich zu werden. Genau darin lag sein Nutzen.

Amthor konnte über Leitkultur reden, über Ehe, Migration, innere Sicherheit und die Notwendigkeit bürgerlicher Ordnung. Sobald es darauf angekommen wäre, aus dieser Rhetorik Konsequenzen für die eigene Partei zu ziehen, blieb er im sicheren Bereich des Apparats. Er war kein Unruheherd im Merkel-System. Er war dessen hübsch gebügeltes Nachwuchsgesicht für jene Wähler, die sich noch einreden wollten, die CDU werde irgendwann wieder sie selbst und habe noch eine Zukunft.

So funktionierte die Merkel-CDU über 16 Jahre. Sie räumte ihre alten Positionen eine nach der anderen ab und stellte vorn ein paar Figuren hin, die nach Bonner Republik klangen und auch so aussahen. Amthor passte perfekt in diese Mechanik. Er war jung genug für den erhofften Erneuerungsprospekt und alt genug im Auftreten, um dem Unionspublikum in den Altenheimen dieser Republik enkelige Seriosität vorzutäuschen. Er sagte Sätze, die nach Ordnung rochen, während seine Partei Ordnungspolitik nur noch als Wahlkampfrequisit benutzte. Er wirkte bürgerlich, während die CDU den Bürger immer stärker als störenden Bittsteller behandelte.

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