Der Bevölkerungs-Blindgänger

vor 4 Monaten

Der Bevölkerungs-Blindgänger
Bildquelle: Tichys Einblick

Wer sich an die Prognosen der vergangenen Jahrzehnte erinnert, dem kann ein gewisses Schwindelgefühl nicht erspart bleiben. Das arktische Eis sollte längst verschwunden sein, die Ölreserven erschöpft, ganze Inselstaaten vom steigenden Meeresspiegel verschluckt.

Computermodelle sagten uns den Untergang voraus, wieder und wieder, in bunten Grafiken und mit der Autorität der Wissenschaft. Nichts davon ist eingetreten. Doch wer hat diese Tradition eigentlich begründet? Wer war der Ahnherr der apokalyptischen Prognose im wissenschaftlichen Gewand? Sein Name war Paul R. Ehrlich, und er ist vergangene Woche im Alter von 93 Jahren gestorben.

Ehrlich war von Haus aus Entomologe, ein Spezialist für arktische Schmetterlinge, der an der Stanford University lehrte. Doch nicht die Lepidopterologie machte ihn berühmt. 1968 veröffentlichte er ein schmales Buch mit dem Titel „The Population Bomb“, dessen erster Satz es in sich hatte: „The battle to feed all of humanity is over.“ Der Kampf sei verloren, die Menschheit dem Untergang geweiht. In den Siebziger- und Achtzigerjahren würden Hunderte Millionen Menschen verhungern. Indien schrieb er ab. Eine Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln sei dort schlicht unmöglich.

Das Buch wurde ein Bestseller. Ehrlich trat in Talkshows auf, wurde zum öffentlichen Intellektuellen, zum Warner vor der Apokalypse. Seine Ideen flossen in den berühmten Bericht des Club of Rome ein, „The Limits to Growth“ von 1972, der mit Computermodellen des MIT die Grenzen des Wachstums berechnete und eine düstere Zukunft prognostizierte.

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