Wenn Olympia zur Frontlinie von Protest und Sicherheitsstaat wird

vor 5 Monaten

Wenn Olympia zur Frontlinie von Protest und Sicherheitsstaat wird
Bildquelle: Tichys Einblick

Il Resto del Carlino, eine der ältesten italienischen Tageszeitungen mit Sitz in Bologna, setzte den Ton bereits vor wenigen Tagen etwas anders – und zwar durchaus nicht sportlich-idyllisch. Während Kameras auf Pisten, Kurven und Medaillen gerichtet sind, befindet sich Italien längst in einem Ausnahmezustand, der weit über die Logik eines Wintersportfestes hinausgeht. Die Olympischen Spiele von Milano–Cortina sind ein globales Schaufenster – und zugleich eine Frontlinie. Für Machtpolitik, für gesellschaftliche Konflikte, für den Zustand des Westens.

Während sich die Sportwelt an Zeiten, Schwüngen und Podien erfreut, hat sich der große Sportpalast zur Bühne geopolitischer und innerer Auseinandersetzungen entwickelt. In Italien wird gerade nicht nur ein Sportereignis organisiert, sondern ein politisches Spektakel: mit massiver Präsenz von Sicherheitskräften, wohl auch mit Streitkräften im Innern, mit technologischer Überwachung, mit Projektionen von Stärke – und mit ausländischen Agenten.

Wie das katholisch-konservative Blatt Avvenire und der Corriere della Sera berichten, steht das Land unter Hochspannung. Mailand und Cortina sind Gastgeber, aber auch Hochsicherheitszonen. Olympische Spiele sind kein positiver Ausnahmezustand mehr, sondern kontrollierter Ernstfall.

Noch bevor der erste Athlet startet, richtet sich der Blick auf die politischen Tribünen. Italien empfängt 51 Staats- und Regierungschefs. Giorgia Meloni nutzt diesen Moment konsequent. „Werte, die Europa und die Vereinigten Staaten zusammenhalten“, sagt sie – und meint damit den Westen als politisches Projekt. Der Auftritt von J. D. Vance, Vizepräsident der Vereinigten Staaten, ist präzise inszeniert: die US-Flagge an der Präfektur von Mailand, ein Konvoi aus über zwanzig Fahrzeugen, fast drei Stunden Gespräche, ein Arbeitsessen mit Risotto, das länger dauerte als geplant. Mit am Tisch natürlich: Außenminister Antonio Tajani und US-Außenminister Marco Rubio.

Publisher Logo

Dieser Artikel ist von Tichys Einblick

Klicke den folgenden Button, um den Artikel auf der Website von Tichys Einblick zu lesen.

Weitere Artikel