Gegner des „Populismus“ kritisieren das Bekenntnis dieser Bewegung zu Patriotismus und Nation. Kosmopolitische Politiker und Kommentatoren gehen so weit, solche territorialen Bindungen als rückständig zu verurteilen und beharren darauf, dass Grenzen und der Status der Staatsbürgerschaft überholte und künstliche Vorstellungen seien. Sie plädieren häufig für Migration als Gegenmittel zum vorherrschenden Nationalbewusstsein und behaupten, nationale Kulturen seien dem Multikulturalismus unterlegen.
Aus einer globalistisch-kosmopolitischen Perspektive ist es unerlässlich, die moralische Bedeutung von Grenzen zu leugnen, um ihr weitergehendes Ziel der Delegitimierung des Status der Nation und der Souveränität ihres Volkes voranzutreiben. Die Entgrenzung grundlegender politischer Kategorien wie Souveränität, Nation, Staatsbürgerschaft und Demokratie hängt davon ab, dass Grenzen ihres moralischen Gehalts beraubt werden. In der Praxis ignoriert das Projekt der Delegitimierung von Grenzen deren Sinn für die Menschen, die innerhalb des von ihnen begrenzten Territoriums leben, und nimmt einseitig die Perspektive derer ein, die daran gehindert werden, dieses Territorium zu betreten.
Die moralische Verurteilung von Staatsgrenzen geht davon aus, dass die Abgrenzung des territorialen Raums den „Anderen“ zu Unrecht ausschließe. Die Unterscheidung zwischen Staatsbürgern und Nicht-Staatsbürgern wird oft als ungerecht und unmoralisch dargestellt. Die Loyalität zu einer Nation wird als veraltetes Vorurteil hingestellt.
Bereits im 19. Jahrhundert wies der liberale Philosoph John Stuart Mill in seinen „Betrachtungen über die Repräsentativregierungt“ (1861) darauf hin, dass „gemeinsame Sympathien“ zwischen Mitbürgern die politische Zusammenarbeit erleichtern, während ein Mangel an „Gemeinschaftsgefühl“ und gemeinsamer Kultur die Bildung einer öffentlichen Meinung unweigerlich behindere. Für Mill war die Nation das gemeinsame Band, das die Demokratie stützte. Das Zusammengehörigkeitsgefühl, von dem Mill spricht, ist das Ergebnis einer relativ homogenen Bevölkerung. In einer Gesellschaft ohne interne kulturelle Spaltungen besteht mit höherer Wahrscheinlichkeit ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl und eine stärkere Bindung an einen Ort als in einer Gesellschaft, die sich aus verschiedenen kulturellen Gruppen zusammensetzt. Aus diesem Grund ziehen kosmopolitische Denker eine heterogene Gesellschaft einer homogenen vor. Die Sprache, in der sie diese Präferenz zum Ausdruck bringen, ist eine Sprache, die Homogenität ständig mit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Verbindung bringt.
Seit dem 20. Jahrhundert sprechen Einwanderungsgegner sich gegen Migranten aus, indem sie auf deren angeblich zersetzenden kulturellen Einfluss auf das vorherrschende Gemeinschaftsleben verweisen. Immigrationsfeindliche Gruppen mobilisieren den Widerstand gegen die Freizügigkeit mit dem Argument, dass Masseneinwanderung eine Bedrohung für den amerikanischen, britischen, deutschen oder französischen Lebensstil darstelle. Bis vor kurzem haben die Befürworter der Einwanderung üblicherweise diese Prämisse der Analyse ihrer Gegner zurückgewiesen und betont, dass deren Behauptungen über kulturelle Zerrüttung übertrieben seien. Gegenüber der einwanderungskritischen Opposition hielten sie entgegen, dass Einwanderung den Charakter der Aufnahmegesellschaft nicht grundlegend verändere. Außerdem führten sie an, dass sich die
Neuankömmlinge, wenn sie gut behandelt würden, schnell anpassen und die Kultur des Landes annehmen würden.
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