Es geht um ein Interview, das nie veröffentlicht wurde. Damals war Ungarns jetziger Regierungschef Péter Magyar noch ein eifriger Verfechter der Regierung von Viktor Orbán, Ehemann von Justizministerin Judith Varga, und Chef der Einrichtung, die für die Vergabe von Studentenkrediten zuständig war, das „Studentenkreditzentrum“.
Heute existiert „Mandiner“ nicht mehr: Das Medium wurde im Zuge der Reformen der neuen Regierung verstaatlicht und dichtgemacht. Aber damals war es für die Fidesz-Prominenz wichtig, dort zu erscheinen. Wer die gesammelten Mandiner-Titelseiten über die Jahre betrachtet, sieht ein Panoptikum der Fidesz-Granden und ihrer namhaftesten Anhänger in Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft.
Mandiner stand (einigermaßen zu Recht) in dem Ruf, ein Regierungsorgan zu sein, und insofern gingen die meisten Beobachter davon aus, dass die Entscheidung, wer auf das jeweilige Cover sollte, im Ministerpräsidentenamt getroffen wurde. Das war auch manchmal so. Zumindest war das mein Eindruck. Ich arbeitete dort ein Jahr lang als stellvertretender Chefredakteur und sollte das Print-Blatt etwas lebendiger und interessanter machen, was mir im Großen und Ganzen nicht gelang. Ich hätte gern valide thematische Titelseiten gehabt. Eine Ausgabe mit einer Exklusiv-Geschichte zu den Grooming-Gangs in England auf dem Titel sah gut aus – verkaufte sich aber nicht. Ich musste einsehen, dass die spezielle Leserschaft der Zeitung Fidesz-Köpfe wollte.
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