Wenn man die Frage beantworten möchte, wie es der Hamas und den Palästinensern gelingt, das Land, das sie pausenlos attackieren, als Aggressor darzustellen, muss man die Verantwortung dafür auch in der westlichen Welt suchen.
Deren Hang, arabische Völker als primitive Wilde zu betrachten, die zu strategischem Handeln nicht in der Lage seien, steht im Gegensatz zur positiven wie negativen Charakterisierung des jüdischen Volkes, das zum einen als besonders begabt, erfolgreich und innovativ, in der antisemitischen Lesart dann als besonders verschlagen und intrigant betrachtet wird, und das zudem als eine Art Außenposten des Westens, als Mündel der USA wahrgenommen wird. Das bedeutet, dass all die negative Voreingenommenheit, die der Westen gegenüber sich selbst empfindet, auf Israel projiziert wird: Israel, der Kriegstreiber, Israel, der Intrigant, Israel, der koloniale Apartheidsstaat, und so weiter.
Zugleich gelten die hohen Standards, die westliche Eliten an die Zivilisation anlegen, gleichfalls nur für Israel. Von zwei Seiten in die Zange genommen, bleibt dem Staat nur eine Position der Stärke, selbst da, wo sie Übermenschliches verlangt: Während die eigenen Kinder massakriert, die jungen Frauen entführt und vergewaltigt werden, muss Israel bei allem Schmerz einen kühlen Kopf bewahren, weil jeder Fehltritt eines seiner Soldaten, jedes Kriegsverbrechen, jede Brutalität um ein Vielfaches ausgeschlachtet würde, während man ebensolche oder grausamere Greuel auf Seiten der Palästinenser nicht weiter beunruhigend findet: Dort sind sie schließlich „normal“, was soll man von diesen armen wilden Arabern schon erwarten?
In dieser Gemengelage können sich die Palästinenser wieder und wieder als Opfer inszenieren, ohne dass jemandem auffiele, wie wohlüberlegt die Narrative sind, die sie konstruieren, wie berechnend ihr Vorgehen.
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