Dürfte man Winfried Kretschmann ungestraft einen „Hurensohn“ nennen?

vor 6 Monaten

Dürfte man Winfried Kretschmann ungestraft einen „Hurensohn“ nennen?
Bildquelle: Tichys Einblick

Die Republik ist um ein Skandälchen reicher. Der Vorsitzende der Grünen Jugend hat in einem Video-Clip zum Vorschlag des bayrischen Ministerpräsidenten, einige Bundesländer zusammenzulegen, ein Bild Söders eingeblendet und den Begriff „Hurensohn“ in seinem Rap verwandt. Die CSU ist empört, Söders Herr der Subtilitäten in Berlin, Alexander Hoffmann, forderte mächtig aufgeregt: „Bobga muss sich für seine Hassrede bei Markus Söder entschuldigen und das Video löschen.“ Auch Klaus Holetschek, Vorsitzender der CSU-Fraktion im bayerischen Landtag, erregte sich mit seinem Kollegen von den Freien Wähler, Florian Streibl, fürchterlich: „Luis Bobga muss sein Amt als Vorsitzender der Grünen Jugend sofort niederlegen und sich beim bayerischen Ministerpräsidenten entschuldigen.“ Man möchte den Herren Baldrian-Tropfen empfehlen.

Aber stärker noch einen Blick in die Geschichte der Bundesrepublik, der würde bis vor Merkels grünen Kanzlerschaften eine Vielfalt an auch sehr rustikalen und hemdsärmeligen Äußerungen aus und gegen alle politischen Richtungen entdecken. Als Franz-Josef Strauß Kanzlerkandidat der Union wurde, dichtete ein linker Kabarettist: „Ich will kein Wildschwein in Seide und Samt/und keinen Strauß im Kanzleramt.“ Oder: „Das Wasser ist trüb, die Luft ist rein/Franz Josef muss ertrunken sein.“

Der SPIEGEL, dessen Cover um Geschmacklosigkeit und angewandten Totalitarismus miteinander wetteifern, verhöhnte Kohl als Birne. Weder Strauß, noch Kohl übten sich in der Rhetorik um Mäßigung. Strauß antwortete auf die Frage eines Journalisten mit der Gegenfrage: „Ja, haben Sie denn überhaupt Abitur.“ Übrigens, damals konnten Journalisten noch auf ein Abitur zurückblicken und hatten ihre Jugend nicht nur bei taz und Grüner Jugend vergeudet. Wo gekeilt wird, darf eben auch zurückgekeilt werden. Zumindest, durfte.

Zu einer Demokratie gehört die Freiheit der Rede, auch die Freiheit der Schmährede. Weniger Aufgeregtgeblasenheit, weniger Empörungssucht, mehr Gelassenheit, mehr Vielfalt und Liberalität in der politischen Kommunikation würden dem Land guttun.

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