Fast schon aus dem Fokus der Aufmerksamkeit gerückt ist, was Ende diesen Monats wieder am Tegernsee stattfinden soll: der Ludwig-Erhard-Gipfel. Vom 28. bis 30. April will sich dort erneut jenes Milieu versammeln, das sich über Jahre als wirtschaftspolitische Elite inszenierte und inzwischen vor allem mit einem ganzen Bündel von Affären, Aufdeckungen und Rückzugsmanövern verbunden ist. Was früher als Bühne von Einfluss und Wichtigkeit vermarktet wurde, wirkt heute wie das Treffen einer Blase, die sich ihren alten Glanz selbst weitererzählt, obwohl das Gebäude ringsum längst eingestürzt ist.
Denn es geht hier nicht um einen isolierten Schönheitsfehler, nicht um eine kleine Ungenauigkeit in der Außendarstellung, nicht um einen missverständlichen Werbesatz. Die Weimer Media Group steht seit Monaten im Zentrum einer Kette von Enthüllungen, die sich sauber zu einem Muster fügen. Da ist der von Alexander Wallasch aufgedeckte schwere Urheberrechtsverstoß-Komplex rund um das Weimersche Produkt ‚The European‘, wo Texte ohne Zustimmung übernommen und als Beiträge eines aufgeblasenen Autorennetzwerks präsentiert wurden, wo viele Personen gar nichts von ihrem Glück ihrer unfreiwilligen Autorenschaft wussten. Da sind Unterlassungserklärungen, strafrechtliche Vorermittlungen und hektische Bereinigung von Inhalten, nachdem neue Medien den Vorgang Stück für Stück offengelegt hatten. Da sind die nachträglich korrigierten Bilanzzahlen, die den Verdacht erhärten, dass auch auf der wirtschaftlichen Seite nicht alles so solide war, wie es verkauft wurde.
Dazu kommt das, was man nur als Potemkinsches Mediendorf der Familie Weimer bezeichnen kann. Über Jahre wurden Produkte, Reichweiten, Beteiligungen und Partnerschaften in einer Weise systematisch aufgeblasen und aufgetürmt, die bei näherer Betrachtung immer kleiner, dünner, fragwürdiger und brüchiger wurde. Das vorgetäuschte Bild einer relevanten, kraftvollen Mediengruppe lebte ersichtlich von Selbstbeglaubigung, von reihum in den eigenen kleinen Produkten gestreuten Renommierkulissen und von eingewürzten großen Namen, die konkret den Eindruck erwecken sollten, hier habe es jemand mit einem publizistischen Kraftzentrum zu tun. In Wahrheit eine Konstruktion aus Etiketten, Logos und Behauptungen, die mit der tatsächlichen publizistischen Wucht herzlich wenig zu tun hatte.
Das zeigte sich besonders deutlich bei den sogenannten Medienpartnern. Die FAZ stellte klar, dass eine solche Partnerschaft in der behaupteten Form nicht bestanden habe. Das Logo des Economist verschwand nach TE-Anfrage still von den Seiten des Ludwig Erhard Gipfels (Stand 16.4.26 wird der ‚Economist‘ von ‚The European‘ immer noch als Kooperationspartner aufgeführt – auch, wenn der ‚Economist‘ selbst nicht erklären kann, worin diese Kooperation nun genau besteht). Auch CNBC wurde entfernt. Genau darin liegt der Kern der Weimer-Methode: sich mit fremdem Renommee aufladen, bis die Namensgeber entsschieden widersprechen. Nicht Relevanz erzeugte hier Reputation, sondern geliehene Reputation sollte Relevanz simulieren. Das brave, langweile Klassik Radio rührt wieder einmal eifrig die Werbetrommel für den diesjährigen Gipfel, nachdem man sich 2025 beeilte, die „Medienpartnerschaft“ im Auge des Skandals herunterzudampfen. Auf TE-Nachfrage Ende Oktober 2025 erklärte ein Sprecher von Klassik Radio: „Es besteht mit der Weimer Media Group eine Partnerschaft zum Austausch von Medialeistungen im marktüblichen Rahmen, im Wesentlichen in Form von Radio- und Printwerbung. Die Zusammenarbeit erfolgt im Rahmen bestehender Vereinbarungen.“ Klassisches Barter-Geschäft.
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