Die Verfügbarmachung von Frauen und Kindern

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Die Verfügbarmachung von Frauen und Kindern
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Diese Ausführungen sollen mit einem Thema beginnen, das für heutige Ohren ungewohnt klingt: Sklaverei. Im Nachfolgenden wird deutlich werden, warum Überlegungen zu diesem Phänomen, das die Menschheitsgeschichte jahrtausendelang geprägt hat, für die Einordnung von Leihmutterschaft von Bedeutung sind. Doch keine Sorge – um eine billige Parallelführung der beiden Praktiken soll es nicht gehen!

„Sklave“ ist ein oft missverstandenes Konzept. Man denkt an römische Galeeren oder an schwarze Plantagenarbeiter in den Südstaaten Amerikas Anfang des 19. Jahrhunderts, die brutal gepeinigt und ausgebeutet wurden.

Doch so eindrücklich diese beispielhaften Formen der Sklaverei sind: Der Wesenskern der Sklaverei ist ein anderer. Das Buch Genesis erzählt beispielsweise vom Israeliten Josef, der es im Haus des ägyptischen Beamten Potifar zu Einfluss und Wohlstand bringt, aber Sklave bleibt, weil Potifar vollständig über ihn verfügt. Die Essenz der Sklaverei ist also das Eigentumsverhältnis, das zwischen Halter und Sklave herrscht. Wie sein Haus oder sein Vieh gehörte der Sklave seinem Halter vollständig. Letzterer konnte mit dem Sklaven tun und lassen, was er wollte.

Ein weiteres Missverständnis ist die Vorstellung, dass Sklaverei historisch eine Ausnahme war. Das Gegenteil ist der Fall: für fast alle Gesellschaften und zu allen Zeiten war Sklaverei die Norm und eine tragende Säule der Wirtschaft und der sozialen Ordnung.

Die Verbannung der Sklaverei, zunächst durch William Wilberforce (1759-1833), dem es gelang, Kraft eines moralischen Arguments die ganze Macht des British Empires gegen den Sklavenhandel aufzubringen, und später durch Abraham Lincoln (1809-1865), der den Krieg der Nordstaaten gegen die Südstaaten der USA (1861-1865) wesentlich zu diesem Zweck geführt hat, waren Sternstunden der westlichen Zivilisation.

Ein drittes Missverständnis ist, dass es Sklaverei heute nicht mehr gäbe, weil sie in jedem Land der Erde verboten ist. Tatsächlich existiert die Sklaverei als Eigentum (engl. chattel slavery) offiziell nicht mehr, doch schätzt die Internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO), dass weltweit etwa 28 Millionen Menschen Zwangsarbeit leisten, während 22 Millionen in Zwangsehen leben. Zu diesem Komplex gehört der Menschenhandel (engl. human trafficking), wobei Jungen und Männer hauptsächlich für körperliche Arbeit, Mädchen und Frauen hauptsächlich zum Zweck der sexuellen Ausbeutung gehandelt werden.

Laut einem Bericht der ILO aus dem Jahr 2024 generiert der Menschenhandel Gewinne von 236 Milliarden US-Dollar (206 Milliarden Euro) im Jahr, davon etwa dreiviertel aus dem Sexhandel, mit einem Durchschnittsgewinn von 10.000 US-Dollar (8.700 Euro) pro Opfer. Somit ist der Menschenhandel weltweit etwa ein Drittel so groß wie der Handel mit illegalen Drogen, der laut der Internationalen Koalition gegen illegale Wirtschaften ICAIE etwa 750 Milliarden US-Dollar (656 Milliarden Euro) generiert.

Im Vergleich zu vergangenen Epochen sind Sklaven deutlich billiger geworden: kostete laut Professor Kevin Bales an der Universität Nottingham ein Sklave in den US-Südstaaten umgerechnet 40.000 Dollar (35.000 Euro), also etwa so viel wie ein Mittelklassenauto heute, ist er heute bereits für 100 Dollar (87 Euro) zu haben. Experten wie Bates gehen davon aus, dass es kein Land der Welt gibt, in dem diese moderne Version der Sklaverei nicht vorkommt.

In seiner „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ hat das „Jahrtausendgenie“ (Jobst Landgrebe) Immanuel Kant (1724-1804) im Jahr 1785 eine nicht-religiöse Definition dessen geliefert, was den Menschen und seine Würde ausmachen. „Der Mensch“, schrieb Kant „existiert als Zweck an sich selbst, nicht bloß als Mittel zum beliebigen Gebrauche für diesen oder jenen Willen“, und fuhr fort, dass „im Reich der Zwecke … alles entweder einen Preis oder eine Würde [habe]. Was einen Preis hat, an dessen Stelle kann auch etwas anderes als Äquivalent gesetzt werden; was dagegen über allen Preis erhaben ist, mithin kein Äquivalent verstattet, das hat eine Würde.“

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