Der Tanz auf dem Vulkan oder warum uns die Klimapropaganda jetzt auf die Füße fällt

vor 6 Monaten

Der Tanz auf dem Vulkan oder warum uns die Klimapropaganda jetzt auf die Füße fällt
Bildquelle: Tichys Einblick

Bis zu 90.000 Menschen litten im Südwesten Berlins bei eisigen Temperaturen für bis zu fünf Tage unter einem gefährlichen Strom- und Wärmeausfall. Das Stadtbild war nicht schön, vor allem dunkel. Vitale urbane Bedürfnisse konnten nicht mehr gesichert werden, es war dystopisch.

Minderleistende Behörden zeigten im gewohnt schlampig verwalteten Berlin ihre Schwächen, aber die Blaulicht-Garde und Hilfsorganisationen setzten sich dankenswerter Weise engagiert ein. Österreichische Kabelspezialisten halfen entscheidend mit, die Versorgung wieder herzustellen. Nicht zuletzt die Solidarität und Hilfsbereitschaft der Betroffenen untereinander verhinderte mehr Todesopfer als die bisher bekannt gewordenen.

Obwohl dieses Ereignis sowohl den größten territorialen Umfang wie auch die längste Dauer seit dem Zweiten Weltkrieg hatte, blieben die politischen Spitzendarsteller erstaunlich gelassen. Man könnte auch gleichgültig oder ignorant sagen. Dem Außenkanzler war das Problem wohl, verglichen mit den Einschränkungen der ukrainischen Energieversorgung, nicht bedeutend genug, der Bundespräsident hüllte sich in Schweigen. Er hätte wenigstens von Unterhaken oder ähnlichem sprechen können. Es gab auch keinen Dank an die vielen Helfer von höchster Stelle, jedenfalls nicht zeitnah. Vielleicht rührt das Schweigen des Bundespräsidenten auch von seiner Rede zum 9. November her. Den letzten Satz hatten die Vulkan-Attentäter durchaus als Aufforderung verstehen können: „Tun wir, was getan werden muss!“

Die Linksterroristen, die trotz ihrer schadensreichen Geschichte offenbar keinen Verfolgungsdruck spürten, entschieden jedenfalls, engagiert und progressiv gegen das weltzerstörende kapitalistische System vorzugehen und ein weiteres deutliches Zeichen zu setzen. Das ohnehin vorhandene Chaos in den Köpfen von Linksextremisten braucht nur getriggert zu werden, sie haben Großes vor. Sie wollen nicht weniger als den Rückschritt in mittelalterliche Verhältnisse, ein reinigendes „Degrowth“, das allerdings in der Bevölkerung wenig Begeisterung auslöst. Wie immer in der linken Gedankenwelt muss dann nachgeholfen, die Menschen müssen zu ihrem Glück gezwungen werden. Nichts mehr haben und trotzdem glücklich sein. In der realen Welt funktioniert das nicht, wie man an Kuba oder Venezuela sieht. Dort wollen viele vor so viel Glück einfach flüchten. Zuverlässig kommt dann das linke Argument, bisher habe man den Sozialismus halt noch nicht „richtig“ umgesetzt.

Der Anschlag wurde von den so genannten Qualitätsmedien tiefgehängt. Permanent war die Rede von einem Stromausfall, nur selten von einem Anschlag, noch seltener von einem linksextremistischen. Der erfolgreiche Westkommunist Bodo Ramelow befürchtete allerdings einen Ansehensverlust für die Linken und hält die Täter für Kriminelle. Eine billige Ablenkung angesichts des kruden Bekennerschreibens (nur für psychisch gefestigte Leserwird am Ende dokumentiert, Quelle: Berliner Zeitung) und der Tatsache, dass Kriminelle einen Vorteil aus ihren Taten haben wollen. Geld, Wertgegenstände, Rivalen beseitigen und ähnliches.

Die Täter von der Kabelbrücke Lichterfelde hingegen ziehen keinerlei persönliche Vorteile aus ihrem Anschlag, er ist reine Ideologie. Sie setzen sich sogar der Gefahr aus, geschnappt zu werden. Dann würde sie die volle Milde der Rechtauffassung Berliner Richter treffen, die vermutlich auch (wie ein Dresdner Richter im Fall Lina E.) die edlen Motive positiv herausstellen würden. Roderich Kiesewetter (CDU), der den Krieg nach Russland tragen wollende, witterte erwartungsgemäß russische Hintermänner, was selbst die Berliner Polizei als Fake bezeichnete. Die Täter wiesen in einem weiteren Bekennerschreiben die Zweifel an ihrer Urheberschaft entrüstet zurück.

Der Anschlag steht am bisherigen Ende einer langfristigen Entwicklung. Im Buch „Klimadämmerung“ schrieb ich 2021 zum Thema „Fridays for Future“:

„Fähnchen schwenken wird den Kindern und Jugendlichen bald nicht mehr reichen . . . Aktivitäten sind angesagt, gefährliche Sekten haben Zulauf. „Ende Gelände“, Extinction rebellion“ und weitere nehmen gewalttätig pro forma den Klima-Umweg, um das System zu stürzen.“

Deutlich wird auf Klima-Demos artikuliert, dass unter kapitalistischen Verhältnissen eine globale Klimarettung nicht möglich ist und das System (gern auch „Schweinesystem“) weg muss. Kein Grund für den Verfassungsschutz, genauer hinzusehen oder die Vulkan-Gruppe angesichts bisheriger Anschläge unter Druck zu setzen. Wie ebenfalls bei den öffentlich vorgetragenen Forderungen nach einem grundgesetzwidrigen Kalifat bleiben Verfassungsschutz und Strafverfolgungsbehörden hier ganz cool. Anders handeln sie, wenn Rentner im Netz gegen den Majestätsbeleidigungsparagrafen im StGB verstoßen.

Was aber führt junge Menschen in die Lage, Anschläge durchzuführen, die tausende Mitbürger schädigen und sogar Menschenleben gefährden? Die heutige Alterskohorte der 20- bis 30-jährigen wurde von Kindesbeinen an mit Furcht vor dem sich ändernden Klima und baldiger Todesoption indoktriniert. Aktivistische Lehrer geleiteten ganze Klassen zu den FiF-Demos. Grenzdebile Parolen wurden von Erwachsenen auf Kindertransparente diktiert: „Oma, was ist ein Schneemann?“ Inzwischen dürften auch die Jüngsten die Schneemänner kennen (warum erfolgte noch keine Umbenennung in „Schneeperson“?), auch Unterrichtsausfall wegen Glatteis, Kälte, Hitze, Gewalterfahrungen in der Schule oder Lehrermangel kennen sie.

Die alten, umweltversauenden Babyboomer wurden zum Feindbild aufgebaut, um davon abzulenken, dass das Bildungssystem von rotgrünen Experimentierern heruntergewirtschaftet wurde, die Inflation politische Ursachen hat und die ungeregelte Migration nicht beherrscht wird. Die Formulierungen gegen die Alten und insbesondere die obendrein weißen Männer stören den öffentlichen Frieden, sie sind nichts als Hass und Hetze und erfüllen in ihrer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit durchaus den Paragrafen 130 des StGB zum Thema Volksverhetzung.

In Schulen, durch regierungsnahe Medien und durch aktivistische Wissenschaftler, die im akademischen Bereich mit ihren Thesen wenig Widerhall finden, wurde der nachwachsenden Generation täglich Angst indoktriniert vor dem baldigen Sterben durch Hitze. Klimalautsprecher wie die taz befeuern alarmistisch Angst und Hoffnungslosigkeit gerade in jener Generation, die wie keine andere Zuversicht und Optimismus braucht. Früher traten Jugendliche ins Berufsleben mit dem Ziel, die Welt nun wirklich besser zu machen. Sie strengten sich dafür an, hatten auch persönlichen und familiären Wohlstand zum Ziel. Heute entfällt wegen alsbaldigen Sterbens die Leistungsbereitschaft, alles Streben hat sowieso keinen Zweck mehr. Also die paar Jahre noch das Leben genießen, wenn schon Arbeit, dann unter der Prämisse der Work-Life-Balance. Oder eben die Umsetzung anderer Lebensentwürfe wie Bürgergeld plus Schwarzarbeit. Das enthebt zudem vom Risiko steigender Kalt- und Warmmieten.

Wenn ein Flüchtlingsheim angegriffen wird, besteht große Einigkeit, dass die geistigen Brandstifter bei der AfD zu suchen sind. Wer sind die geistigen Brandstifter der Klimaterroristen? Die Alarmisten sind vor allem im grünen Bereich zu suchen, wo das Klimaproblem, das bei nüchterner Betrachtung beherrschbar ist, zur alles überragenden Existenzbedrohung aufgebauscht wird. Ursula Nonnemacher, ehemalige grüne Gesundheitsministerin in Brandenburg, äußerte nach dem Beginn des Ukraine-Krieges, dass sie den Klimawandel für gefährlicher halte als eine Kriegslage in Europa. Das lässt einen schon grübeln, zeigt aber auch den Fanatismus bei der Durchsetzung von „wir brauchen mehr Erneuerbare“.

Natürlich weckt diese Beeinflussung der Heranwachsenden auch deren Radikalität. Man muss doch was gegen den menschengemachten Klimawandel tun können, auch militant, wenn nicht anders möglich. Die Klimaschutzideologie spricht Menschen schuldig, sie müssen bestraft werden für ihren Konsum und ihre Umweltsauerei.

Wie kann man die Gesellschaft nun vor weiteren Anschlägen schützen? Sicherlich durch verbesserte „Hardware“, den besseren Schutz von Kabeln, Schaltanlagen und anderen Netzelementen. Abdeckungen, sichere Zäune, weniger Freileitungen und weiteres. Mehr Schutz durch Videokameras und Sicherheitspersonal, ja. Aber bei einer Million Kabelkilometer im Verteilnetz eine schier unlösbare Aufgabe, auch wenn sich durch die Verlegung als Erdkabel die angriffsfähigen Punkte auf einige tausend Trafo-Stationen und Schaltanlagen beschränken mögen.

Das erhöht die Sicherheit, verhindert ausgeklügelte Anschläge aber nicht. Politiker raunen hier von der nicht möglichen hundertprozentigen Sicherheit, als hätte die jemand gefordert oder behauptet, dass es sie gäbe. Wirkungsvoller wäre, an die Wurzel zu gehen und die Täter von vornherein abzuhalten.

Die Lösung wäre einfach, aber schwierig in die Tat umzusetzen. Der staatsoffizielle Angst hervorrufende Klimaalarmismus müsste beendet werden zugunsten nüchterner Informationen zum Klimawandel. Das wäre die Abkehr vom Vokabular wie Klimakatastrophe und Klimakrise, von dem seriöse und nicht daran verdienende Wissenschaftler ohnehin nicht sprechen. Das IPCC übrigens auch nicht.

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