Katastrophaler Katastrophenschutz: Berlins Systemversagen

vor 7 Monaten

Katastrophaler Katastrophenschutz: Berlins Systemversagen
Bildquelle: Apollo News

Ich habe versucht, zu koordinieren“ – die ganze Hilflosigkeit des Berliner Staates in einem Satz des Regierenden Bürgermeisters. Kai Wegner hat sich über das Wochenende hinweg nicht mit Ruhm bekleckert. In den ersten Stunden des Stromausfalls im Südwesten nach einem linken Terroranschlag war vom Bürgermeister nichts zu hören. Wo ist Wegner? Das wusste keiner.

Jetzt kommt heraus: Wegner war nicht nur im Homeoffice – peinlich genug – sondern machte zwischendurch ausgiebig Pause. Am Samstag zwischen 13 und 14 Uhr meinte der Regierende Bürgermeister, mit seiner Lebensgefährtin und Senatskollegin Katharina Günther-Wünsch Tennis spielen zu müssen. Er sei aber stets erreichbar gewesen, betont die Senatskanzlei gegenüber dem rbb.

Das widerspricht Wegners Erzählung, er habe sich in seinem Büro „eingeschlossen“ und hart gearbeitet, dann doch etwas. Immerhin: Am Dienstag läuft die Krisenkommunikation dann. Kai Wegner schafft es plötzlich doch, sichtbar zu sein. Und: Schon am Mittwoch ist der Stromausfall behoben, einen Tag früher als geplant. Eine glückliche Wendung nach den Pannen-Tagen vom Wochenende.

Dass aber der Strom in weiten Teilen der Hauptstadt so lange und so massiv ausfallen kann – das ist nicht nur peinlich, sondern entlarvend. Noch entlarvender ist die bodenlos schlechte Reaktion der Behörden auf diese Notlage. Für all das trägt Kai Wegner natürlich die Verantwortung – weil er der Regierende Bürgermeister und damit Regierungschef des Landes Berlin ist. Und zwischen Tennis und Homeoffice wird relativ offenkundig, dass er die Lage selbst nicht ernst genug nahm.

Wegner erlebte seinen ganz eigenen Blackout. Sein Verschwinden während der Krise, sein Impuls, in einer Katastrophenlage nach einem Terroranschlag aus dem Homeoffice „koordinieren“ zu wollen, kann man ihm schon mit viel Recht vorwerfen. Dann zwischendurch auch noch Tennis-Pause zu machen und die Öffentlichkeit anschließend von einem Sprecher verschaukeln zu lassen („Stets in Berlin“, „im Krisenstab“) – eine einzige Katastrophe.

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