Jobverlust-Report April

vor 3 Monaten

Jobverlust-Report April
Bildquelle: Tichys Einblick

Deutschlands Unternehmen streichen so viele Jobs wie seit sechs Jahren nicht mehr. Das sogenannte „Beschäftigungsbarometer“ des Münchner ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung ist im April auf den tiefsten Stand seit Beginn der Corona-Krise gefallen. Industrie, Handel, Dienstleister – in allen Branchen werden mehr Jobs gekillt als neu geschaffen.

Parallel dazu gehen so viele Firmen pleite wie seit über 20 Jahren nicht. Nach einer Erhebung des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) lag die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland im März bei 1.716 (eine frischere Auswertung gibt es noch nicht).

Das sind: • 17 Prozent mehr als im Februar • 18 Prozent mehr als im März 2025 und • 71 Prozent (!) mehr als in einem durchschnittlichen März der Jahre 2016 bis 2019, also vor der Corona-Krise.

Zuletzt hatten im Juni 2005 mehr Personen- und Kapitalgesellschaften Insolvenz angemeldet. Im gesamten vergangenen Jahr wurden etwa 24.000 Insolvenzverfahren eröffnet. Das waren zehn Prozent mehr als 2024.

01. April

Freudenberg Der Technologiekonzern aus Weinheim in Baden-Württemberg steigt aus dem Geschäft mit Brennstoffzellen aus. Einst ein großer Hoffnungsträger, hat sich der Zweig mittlerweile zu einer echten Belastung entwickelt. Minus 600 Jobs.

OKA Der traditionsreiche Möbelhersteller aus Ebersbach-Neugersdorf im sächsischen Landkreis Görlitz mit einer fast 170-jährigen Unternehmensgeschichte meldet Insolvenz an. Trotz eines profitablen Kerngeschäfts hat sich die Geschäftsleitung mit dem Bau einer neuen Fabrik auf einem 125.000 Quadratmeter großen Gelände im polnischen Wykroty bei Bunzlau überhoben. Der neue Standort bringt nicht die erwarteten Einsparungen, stattdessen haben die Investitionen dort ein Loch in die Liquidität des laufenden Betriebs gerissen. Minus 200 Jobs.

02. April

Sutor Der Schuhhändler aus Ingolstadt in Bayern mit 41 Filialen meldet Insolvenz an. Erst vor wenigen Wochen hatte der Berliner Unternehmer Steffen Liebich, Geschäftsführer der Leiser Handelsgesellschaft, Sutor über eine Beteiligungsgesellschaft übernommen. Schon bei der Übernahme war also offenbar klar, dass der neue Eigentümer eine Sanierung unter Insolvenzschutz abwickeln wollte. Minus 400 Jobs.

03. April

Olympus Das Hamburger Medizintechnikunternehmen streicht acht Prozent aller Planstellen. Offenbar ist nicht nur ein freiwilliger Jobabbau geplant, sondern auch betriebsbedingte Kündigungen. Minus 200 Jobs.

CariMarkt Nach mehr als 20 Jahren steht das Aus für den Inklusionsbetrieb der Caritas in der Altstadt von Kehlheim in Niederbayern fest. Der Lebensmittelmarkt wird zum Jahresende dichtgemacht. Die nach einem Eigentümerwechsel des Gebäudes verbliebene Verkaufsfläche ist zu klein und nicht profitabel zu bewirtschaften. Jobverlust: unbekannt.

Güterverkehr Der Brummi-Branche droht ein Kahlschlag. Bei Dirk Engelhardt, Chef des „Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung“ (BGL), stapeln sich Hilferufe der Transportunternehmer. Immer öfter geht den – meist als Familienbetrieb organisierten – Firmen durch die hohen Dieselkosten die Liquidität aus. In Deutschland müssen Lkw-Firmen gleich doppelt CO₂-Abgaben zahlen: auf die Maut UND auf den Sprit. Engelhardt sieht 100.000 Arbeitsplätze bedroht.

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