Der „Irankrieg“ dauert an, und es fällt schwer, sich ein Ende vorzustellen. Es fällt auch schwer, diesen Krieg überhaupt zu beurteilen. Er ist nicht ein völlig sinnloser Krieg, aber es ist ein unklarer Krieg, bei dem nicht zu erkennen ist, an welchem Punkt die gegnerischen Parteien aus dem Krieg wieder herausfinden könnten. Das gilt weniger für die rein militärische Konfrontation, aber umso mehr für die politische Rhetorik mit ihren globalen Zielen und Zerstörungs-Drohungen.
Auf diesem Feld ist der Eindruck entstanden, der Krieg müsse mit einem umfassenden Sieg einer Seite ausgehen, bei dem die andere Seite ihre bisherige Regierungsform und Daseinsweise aufgeben muss. Es müsse also um einen „Regimewechsel“ (auch im weiten, kulturellen Sinn des Begriffs „Regime“) gehen. Zugleich wird der Eindruck erweckt, es gehe hier um eine „neue Weltordnung“, um neue „Großräume“ der Macht, um eine neue Ära der „Geopolitik“.
Das ist nicht ganz frei erfunden, denn der Krieg hat schon zu Blockaden und Zerstörungen in einer der wichtigsten Energie-Regionen der Welt geführt. Zugleich stehen sich hier kulturelle Mächte gegenüber, die globale, historische und religiöse Geltungsansprüche erheben. Der Iran und seine Außenposten treten als Vertreter des einzig wahren Islam auf. Der US-Präsident versteigt sich zu der Drohung, im Iran die Zivilisation „in die Steinzeit zu bomben“. Andere Stimmen wollen Israel die Rolle eines „Hegemons im Nahen Osten“ nahelegen. Namhafte europäische Regierungschefs gehen mit der Losung „Nicht unser Krieg“ auf Distanz zum Kriegsgeschehen, um aber dann „nach Ende der Kriegshandlungen“ die Führungsrolle bei Schiffskonvois durch die Meerenge von Hormus für sich zu beanspruchen.
Man kann also mit Recht feststellen, dass mit dem Phänomen „Irankrieg“ die verschiedensten Ansprüche auf Vorherrschaft aufmarschiert sind. Insofern findet hier ein hegemonialer Krieg statt.
◊◊◊
Ein Krieg, der auf Koexistenz gerichtet ist – Doch damit ist das Phänomen „Irankrieg“ nicht vollständig beschrieben. Man sollte sich durch die politische Rhetorik nicht zu sehr beeindrucken lassen. Die Realitäten dieses Krieges müssen keineswegs zwangsläufig auf das Besetzen von Territorien und das Fabrizieren von Hegemonien hinauslaufen. Es gibt nicht nur vielfältige Abstufungen und Kompromisslinien militärischer Einsätze, sondern der Krieg kann auch ganz andere Ziele und Wesenszüge haben. Er kann auf das Brechen von Blockaden und Erpressungsversuchen zielen – und damit auf ein stabiles Nebeneinander von Staaten, deren Eigenständigkeit nicht in Frage gestellt wird, sondern verteidigt wird. So scheint sich der „Irankrieg“ immer stärker auf die Meerenge von Hormus zu konzentrieren. Er kann sich damit auf eine stabile Koexistenz aller Anrainerstaaten und auf die Durchsetzung der freien Befahrbarkeit des Persischen Golfs für den internationalen Schiffsverkehr konzentrieren. Die Freiheit der Passage durch diese Meerenge ist für die Versorgung vieler Weltregionen mit Erdöl und Erdgas unverzichtbar. Eine Koexistenz-Lösung an dieser Stelle ist dringend notwendig und im Eigeninteresse aller Beteiligten.
DRAMA IN REGENSBURG: Geiseldrama beendet! SEK nimmt Verdächtigen fest - Ein Toter | STREAM










